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Der nasse Schnee kommt

Wenn im April die Tage wärmer werden, beginnt der Schnee in den Bergen wegzuschmelzen. Nassschneelawinen und Hochwasser drohen. Ein neues Modell verbessert die Prognosen.
Bruno Knellwolf
Der Schnee schmilzt. In Davos wurde eine bessere Vorhersage der Schmelze entwickelt, um Hochwasser besser abschätzen zu können. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Der Schnee schmilzt. In Davos wurde eine bessere Vorhersage der Schmelze entwickelt, um Hochwasser besser abschätzen zu können. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Julia Wessels vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) beschreibt die momentane Situation so: «Von der Lawinenlage her befinden wir uns in einer <Frühlingssituation> mit nassen Lawinen im Tagesverlauf in einigen Gebieten der Schweiz.» Auf der Webseite des SLF sieht man die Karte dazu: Im nördlichen Alpsteingebiet ist die Gefahr nasser Lawinen im Tagesverlauf mässig. Im südlichen Alpstein und in ganz Graubünden ist sie dann aber erheblich.

Die Lawinengefahr mag in diesen warmen Frühlingstagen, an denen die Skiliftbetreiber an vielen Orten schon geschlossen haben oder bald schliessen, vielen nicht mehr so relevant erscheinen. Für Tourenskifahrer gilt das aber nicht. Denn in vielen Gebieten sind jetzt während des Tages kleine und mittlere Gleit- und Nassschneelawinen zu erwarten. Touren und Hüttenaufstiege sollten gemäss dem SLF deshalb früh am Tage gestartet und rechtzeitig beendet werden. «Zonen mit Gleitschneerissen sollten möglichst gemieden werden», schreibt das SLF.

Hochwasser im Frühling

Diese Nassschneelawinen zeigen, dass die Schneeschmelze auch in den Bergen begonnen hat. Deshalb entsteht jetzt viel Schmelzwasser, das bald Täler und Seen erreichen wird. Das kann zu Frühlingshochwassern führen. Ein recht grosser Teil des Schmelzwassers stammt gemäss dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung aus bewaldeten Gebieten. Wälder bedecken rund 30 Prozent unserer Landesfläche. Das ist relevant für die Prognose von Hochwassern. Denn die hängen davon ab, wo, wann und wie schnell der Schnee in den Wäldern schmilzt.

Ein wichtiger Faktor für die Schneeschmelze im Wald ist die langwellige Strahlung, die auf die Schneeoberfläche gelangt – also Wärme, die der Himmel oder die Oberfläche der Bäume abstrahlt. Bisherige Computermodelle simulieren die langwellige Wärmestrahlung im Waldesinnern anhand der Lufttemperatur.

Die Zuverlässigkeit dieses Modells hat Clare Webster, Doktorandin aus der Forschungsgruppe Schneehydrologie, überprüft. Dazu nutzte sie Strahlungsdaten von drei verschiedenen Nadelwaldstandorten. Zudem mass sie die Lufttemperatur sowohl oberhalb des Kronendachs auf 35 Metern als auch im Innern des Waldes auf zehn Metern und zwei Metern Höhe.

Gewisse Mängel der Modelle

Webster fand heraus, dass gängige Modelle gewisse Mängel haben. Die gemessene Lufttemperatur oberhalb des Kronendachs war höher als unterhalb – der Wald agierte also gewissermassen als Kältesenke. Ausserdem zeigte sich, dass bestehende Modelle vor allem dann ungenau sind, wenn durch den im Frühling steigenden Sonnenstand zunehmend kurzwellige Sonnenstrahlen in den Wald eindringen und dort die Baumstämme aufheizen.

Wärmebilddaten zeigten nämlich, dass die Stammoberflächentemperatur bis 30? Celsius höher sein kann als die umgebende Lufttemperatur. Somit strahlen die Bäume mehr Wärme ab als bisher angenommen. Diesen Effekt konnte Webster in ein neues Modell einbauen und damit deutlich verbesserte Resultate erzielen.

In einem anderen SLF-Projekt wurde zudem ein Modell entwickelt, mit dem sich die Struktur des Waldes besser beschreiben lässt. Mit diesem Modell und jenem von Webster kann nun besser beurteilt werden, wie viel Wasserreserven in bewaldeten Gebieten im Schnee gebunden sind und uns im Tal noch erreichen werden.

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