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Der nächste Sommer wird kühl

Wetterprognostiker haben Probleme, wenn sie Phänomene wie Nebel, Hochnebel und Gewitter voraussagen müssen. Die St. Galler Firma Meteomatics hat ein Drohnensystem entwickelt, das bessere Vorhersagen ermöglicht.
Bruno Knellwolf
Mit dieser Meteodrohne ist es zum ersten Mal möglich, präzise und direkt die Temperatur, Feuchte und den Wind in der Grundschicht zu erfassen. (Bild: pd)

Mit dieser Meteodrohne ist es zum ersten Mal möglich, präzise und direkt die Temperatur, Feuchte und den Wind in der Grundschicht zu erfassen. (Bild: pd)

Jeden Tag zaubert der Meteo-Moderator am Fernsehen grossflächig ein paar Wolken über die Schweiz, etwas Nebel oder Sonnenschein. Oft auch bunt gemischt. Doch über diese Prognosen wird so oft gelästert wie über das Wetter selbst.

«Das Problem dieser Prognosen sind die fehlenden Daten in der Grundschicht bis 1,5 Kilometer über dem Boden. In dieser Grundschicht gibt es bis heute praktisch keine verlässlichen Messungen für Prognosemodelle», sagt Martin Fengler, Geschäftsleiter der St. Galler Firma Meteomatics. In höheren Schichten werden Daten mit Flugzeugen, Wetterradaren und Satelliten aufgezeichnet. «Vor der Haustüre gibt es zudem Wetterstationen. Aber was dazwischen ist, ist <Terra incognita>», sagt Fengler, der heute an der Universität St. Gallen referieren wird.

Martin Fengler Geschäftsführer Meteomatics in St. Gallen (Bild: pd)

Martin Fengler Geschäftsführer Meteomatics in St. Gallen (Bild: pd)

Blindflug der Meteorologen

Fengler spricht wegen der fehlenden Daten geradezu von einem eigentlichen Blindflug der Meteorologen. «Das macht die Prognosen nur schon für die nächsten 24 Stunden schwierig. Gerade Phänomene wie Nebel, Hochnebel und Gewitter, die ihre Auslöser in der Grundschicht haben, können noch immer nur schlecht vorhergesagt werden. Jeder regt sich darüber auf. Deshalb muss man die Datensituation verbessern.»

Daten von Drohnen

Das macht Meteomatics mit modernsten technischen Hilfsmitteln. Seit 2012 entwickelt die St. Galler Firma in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt ein Drohnensystem: die Meteodrones. Zwar hätten Drohnen ihre Nachteile – man müsse beispielsweise Bewilligungen einholen und die Bedenken der Bevölkerung berücksichtigen, die mitunter sofort den Überwachungsstaat wittere. Aber mit Drohnen sei es zum ersten Mal möglich, extrem präzise und direkt Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit in der Grundschicht zu erfassen.

Das sei der wesentliche Unterschied zu Laser- und Radar-basierten Systemen, die nur indirekt, über Reflexionen Daten erfassen. Diese Daten seien schwierig in die physikalischen Grössen der Prognosemodelle zu übersetzen. «Aus diesem Grund fliessen diese Daten in ihrer Fülle bislang praktisch kaum in die Wettermodelle ein», sagt Fengler.

Dank der modernen Messtechnik mit Drohnen kann Meteomatics auch lokale Wetterphänomene besser ergründen. Zum Beispiel, warum es in St. Gallen praktisch nie regnet, wenn der Wind aus Süden kommt. «Da könnte man darauf wetten. Ein schönes Beispiel war das letzte Stadtfest in St. Gallen», sagt Fengler.

Meteomatics macht allerdings keine Prognosen für Radio, Fernsehen und Zeitungen, sondern ist ein Spezialwetterdienstleister für industrielle Anwendungen. «Wir stellen Wetterdaten für Energieerzeuger, die Automobilindustrie, Logistiker, die Bauwirtschaft oder Versicherungen bereit.» Für Firmen, die ein industrielles Interesse an Wetterdaten haben, um diese in ihre Systeme oder Maschinen einzubinden.

«High Precision Farming»

Eine grosse Rolle spielen zum Beispiel Prognosen in der Landwirtschaft. Gerade im «High Precision Farming», bei dem die landwirtschaftlichen Nutzflächen sehr zielgerichtet bewirtschaftet werden. Beim Präzisionsackerbau werden die Bodenbeschaffenheit, die Luftschichten und die Ertragsfähigkeit der Felder genau berücksichtigt. «Wir können dann sagen, wie auf dem Feld die Temperatur ist und wo genau», sagt Fengler.

Den Laien mag nicht interessieren, ob es auf der einen Seite des Ackers ein halbes Grad wärmer ist als auf der anderen Seite. Die Pflanze weiss das aber, weil sie es am eigenen Leib erfährt. Dementsprechend wäre am wärmeren Ort nach drei Monaten der Fruchtstand höher. Der Bauer kann deshalb mit Dünger auf der anderen Seite des Feldes nachhelfen und den Ertrag somit erhöhen.

Meteomatics rechnet die Wettermodelle auf lokale Grösse herunter. «Für jedes Alpental in der Schweiz. In der Bodenseeregion interessiert das Thema Nebel, im Rheintal der Föhn.» Mit lokalen Daten wird auch die Alarmierung besser. Fengler erzählt von einer Firma in Engelburg, die einen Alarm erhält, für die Steuerung von automatischen Fahnenmasten. «Bei einem Sturmalarm wird die Fahne eingeholt und nachher wieder ausgerollt. Das ist eine Steuerungsanwendung, wie sie auch für automatische Storen angewendet wird.»

24-Stunden-Prognose als Ziel

Bleibt die Frage, was die Meteorologie noch weiter bringen wird. Computer-Power gebe es eigentlich genug. Wichtig sei es, mehr Daten über die Grundschicht zu erheben. «Unser Ziel ist die perfekte 24-Stunden-Prognose. Wir wollen morgens um 9 Uhr sagen können, wo um 15 Uhr die Gewitter sind», sagt Fengler. Unwetterprognosen seien noch recht ungenau.

Das Volk traut Wetterprognosen über fünf Tage hinaus sowieso nicht. Das komme auf die gesuchten Parameter an. Temperaturvorhersagen könne man bis zehn Tage recht genau machen. «Darüber hinaus sind Trendaussagen möglich. Bis etwa drei bis vier Wochen.» Solche Wettermodelle werden gekoppelt mit -Ozeanmodellen, die Meeresströmungen und Temperaturen berücksichtigen, die später unser Wetter beeinflussen. «Hier kommen Klima- und Meteomodelle immer mehr zusammen», sagt Fengler.

Leider sind ganz aktuell die Langfristprognosen nicht sehr erfreulich. Fengler sagt einen eher kühlen März voraus – und auch der Sommer bleibe nach dem warmen Winter wohl eher unerfreulich kühl.

Heute Mittwoch, 20.15 Uhr: NWG-Vortrag: Die Zukunft der modernen Wettervorhersage, Martin Fengler Meteomatics, St. Gallen. Universität St. Gallen, Hauptgebäude

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