Der Mann im Mond ist tot

Neil Armstrong wurde als erster Mensch auf dem Mond zur Legende. Über den historischen Moment hinaus ist der bescheiden gebliebene Astronaut aber auch zum Sinnbild für den Pioniergeist der bemannten Raumfahrt geworden. Am Samstag ist er 82jährig an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben. Men J. Schmidt

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Eine Milliarde Menschen hält den Atem an: Am 21. Juli 1969 setzt Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond. (Bilder: ky)

Eine Milliarde Menschen hält den Atem an: Am 21. Juli 1969 setzt Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond. (Bilder: ky)

Er war wohl der einzige Astronaut, dessen Namen jedermann kennt, obwohl er seit 43 Jahren nicht mehr im Weltraum war: Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond. Nun ist er nicht mehr unter uns, wenige Wochen nach seinem 82. Geburtstag ist er an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben.

Armstrong gehörte der zweiten Astronautengruppe an und sammelte seine erste Weltraumerfahrung im Gemini-Raumfahrtprogramm der Nasa, welches als Vorbereitung für das wohl grösste Abenteuer der Menschheit – der ersten bemannten Mondlandung – diente. Doch Amerikas Held wäre um ein Haar fast das erste amerikanische Raumfahrtopfer geworden.

Der erste Zivilist im Weltraum

Armstrong wurde 1962 mit der zweiten Gruppe in das Astronautenkorps der Nasa aufgenommen. Im Gegensatz zur Astronautengruppe 1 (Mercury seven), die allesamt Testpiloten der Streitkräfte waren, war Neil Armstrong der erste Zivilist, der in den Weltraum flog. Am 16. März 1966 startete er zusammen mit David Scott an Bord von Gemini 8 in die Erdumlaufbahn. Ziel der Mission war das Andocken der Gemini-Kapsel mit dem Agena-Zielsatelliten, um Koppelungsmanöver zwischen Raumschiffen zu erproben.

Nachdem die Koppelung mit der Agena-Stufe problemlos funktioniert hatte, begann die Gemini-Kapsel plötzlich um die eigene Achse zu rotieren. Armstrong vermutete zunächst, dass es sich dabei um ein Problem mit dem Zielsatelliten handle, und löste die Kapsel von der Agena-Stufe. Daraufhin drehte sich Gemini 8 jedoch noch schneller um die eigene Achse und erreichte fast die Belastbarkeitsgrenze von Raumschiff und Astronauten – bei einer immer schneller werdenden Rotation war eine Bewusstlosigkeit der Besatzung nicht ausgeschlossen.

Das Unheil abgewendet

Armstrong sah keine andere Möglichkeit mehr, als die Bremsraketen für den Wiedereintritt zu aktivieren, um so die Gemini-Kapsel zu stabilisieren. Dies gelang zwar, dabei war aber so viel Treibstoff verbraucht worden, dass Gemini 8 die erste Notwasserung in der US-amerikanischen Raumfahrtgeschichte durchführen musste.

Das Raumschiff mit den beiden Astronauten landete nach nur sieben Erdumkreisungen im Pazifik statt im Atlantik, Armstrong und Scott konnten aber gesund geborgen werden. Um ein Haar wäre Armstrong nicht der erste Astronaut auf dem Mond geworden, sondern das erste Opfer im Weltraum auf amerikanischer Seite.

Armstrongs historische Worte

Vielleicht war dieses herausragende Ereignis der Grund, dass Armstrong auserwählt wurde, die erste bemannte Mondlandung durchzuführen. Als ruhiger, bescheidener und lösungsorientierter Astronaut musste er geradezu prädestiniert sein für dieses historische Ereignis. Zusammen mit den gleichaltrigen Buzz Aldrin als Mondfährenpilot und Michael Collins als Pilot der Kommandokapsel startete Armstrong am 16. Juli 1969 zum wohl grössten Abenteuer der Menschheit.

Vier Tage später landeten Armstrong und Aldrin im «Meer der Ruhe» auf dem Mond. Fast eine Milliarde Menschen konnte am 21. Juli um 3.56 Uhr MEZ live verfolgen, wie Armstrong seinen linken Fuss auf den Mondboden setzte und die historischen Worte sagte:

«That's one small step for man… one… giant leap for mankind.»

«Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen… ein… riesiger Sprung für die Menschheit.»

Armstrong selber sagte später einmal, dass nicht dieser Satz sein wichtigster war, sondern als er nach dem Aufsetzen der Mondfähre auf dem Mond nach Houston melden konnte: «Tranquilly base here – The Eagle has landed» (Station der Ruhe hier, der Adler ist gelandet). Dies, weil die Mondfähre praktisch mit dem letzten Tropfen Treibstoff auf dem Erdtrabanten aufsetzte.

Bescheiden und medienscheu

In einem seiner seltenen Interviews hat Armstrong gesagt, dass es damals eine etwa 60- bis 90prozentige Chance für das Gelingen der ersten Mondlandung gegeben habe. Als die Apollo-11-Besatzung am 24. Juli 1969 wieder auf der Erde landete und die Mission zum grössten Triumph in der Raumfahrtsgeschichte wurde, wurde auch Armstrong unsterblich. Wenn heute, über vierzig Jahre nach dem historischen Ereignis, die Rede von Astronauten ist, so ist der Name Armstrong für eine grosse Mehrheit schlichtweg der Begriff für den Mondfahrer. Armstrong selber blieb auch nach dem grossen Triumph bescheiden und war fast medienscheu.

Botschafter für die Raumfahrt

In seiner Zeit nach der Nasa hat er nur rund ein Dutzend Interviews gegeben. Er hat sich aber immer als Botschafter für die bemannte Raumfahrt und die Erforschung des Mondes gesehen und sogar einen offenen Brief an Präsident Obama geschrieben, als dieser eine erneute Rückkehr zum Mond als nicht prioritär bezeichnete. Diese Haltung hat Armstrong als gefährlich eingestuft, nicht zuletzt deswegen, weil damit die USA die Führungsrolle in der bemannten Raumfahrt aus den Händen gaben.

Der wohl berühmteste Astronaut hat von der Erde Abschied genommen – und mit ihm ein ganz grosses Stück des Pioniergeistes der bemannten Raumfahrt. Erinnern wir uns an einen Macher in der Raumfahrt, der die Risiken kannte und mit seiner Art und seinem Wissen Probleme gelöst hat, als gehörten diese einfach dazu. Damit ist es auch Neil Armstrong zu verdanken, dass 1969 das gelungen ist, wovon die Menschheit schon immer geträumt hat: vom Griff zum Mond.

Neil Armstrong in den 60er-Jahren und im Juni dieses Jahres – und ein historischer Fussabdruck. (Bild: (NASA))

Neil Armstrong in den 60er-Jahren und im Juni dieses Jahres – und ein historischer Fussabdruck. (Bild: (NASA))

FILE - In this July 20, 1969 file photo, a footprint left by one of the astronauts of the Apollo 11 mission shows in the soft, powder surface of the moon. Commander Neil A. Armstrong and Air Force Col. Edwin E. "Buzz" Aldrin Jr. became the first men to walk on the moon after blastoff from Cape Kennedy, Fla., on July 16, 1969. The family of Neil Armstrong, the first man to walk on the moon, says he died Saturday, Aug. 25, 2012, at age 82. A statement from the family says he died following complications resulting from cardiovascular procedures. It doesn't say where he died. Armstrong commanded the Apollo 11 spacecraft that landed on the moon July 20, 1969. He radioed back to Earth the historic news of "one giant leap for mankind." Armstrong and fellow astronaut Edwin "Buzz" Aldrin spent nearly three hours walking on the moon, collecting samples, conducting experiments and taking photographs. In all, 12 Americans walked on the moon from 1969 to 1972. (AP Photo/NASA) (Bild: Anonymous (NASA))

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In this June 1, 2012, Neil Armstrong, the first man to walk on the moon, attends a graveside service for Wilbur Wright on the 100th anniversary of the burial of the powered flight pioneer in Dayton, Ohio. Armstrong died on Saturday, Aug. 25, 2012. (AP Photo/The Dayton Daily News, Chris Stewart) LOCAL PRINT OUT; LOCAL TV OUT; WKEF-TV OUT; WRGT-TV OUT; WDTN-TV OUT; MANDATORY CREDIT (Bild: Chris Stewart (Dayton Daily News))

In this June 1, 2012, Neil Armstrong, the first man to walk on the moon, attends a graveside service for Wilbur Wright on the 100th anniversary of the burial of the powered flight pioneer in Dayton, Ohio. Armstrong died on Saturday, Aug. 25, 2012. (AP Photo/The Dayton Daily News, Chris Stewart) LOCAL PRINT OUT; LOCAL TV OUT; WKEF-TV OUT; WRGT-TV OUT; WDTN-TV OUT; MANDATORY CREDIT (Bild: Chris Stewart (Dayton Daily News))

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