Der König, seine Kriege und Mätressen

Vor genau 300 Jahren starb König Ludwig XIV. In 72 Regierungsjahren festigte er die französische Monarchie und holte viele Künstler an seinen Hof. Denn Ludwig wusste: Wessen Ruf Bestand haben soll, der muss sein Image pflegen.

Rolf App
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Gemälde mit Ludwig XIV. (Bild: Wikipedia/Testelin)

Gemälde mit Ludwig XIV. (Bild: Wikipedia/Testelin)

Nach mehreren Fehlgeburten ist es endlich so weit. In Anwesenheit einer grösseren Menschenmenge wird am 5. September 1638 dem bedrohlich kränkelnden französischen König Ludwig XIII. ein Thronfolger geboren. Als dieser Ludwig XIV. am 1. September 1715 stirbt – heute vor genau 300 Jahren – , hat er in 72 Jahren auf dem Thron Frankreichs Macht wie seine eigene Bedeutung so sehr gemehrt, dass man ihn fortan den Sonnenkönig nennt und ihm den kühnen Satz «L'Etat c'est moi» zuschreibt: «Der Staat, das bin ich.»

Er ist nicht nur von seiner Regierungsdauer her ein erstaunlicher Herrscher. Ludwig XIV. ist zäh und lebenslustig. Er überlebt die Cholera und den Typhus – verliert dabei aber seine schönen langen Haare und macht die Perücke salonfähig.

Der fleissige Herrscher

Er überlebt zahlreiche Revolten der eigenen Verwandtschaft, und er lernt dabei, wie man seine Macht festigt. Als sein erster Minister Mazarin stirbt, stellt sich der 23-Jährige selber an die Spitze der Regierung und entwickelt einen unglaublichen Fleiss beim Erledigen von Regierungsgeschäften. Sorgsam achtet er darauf, dass niemand zu viel Einfluss bekommt.

Auch die Finanzen hat er lange ziemlich gut im Griff. So gut, dass er die Steuern senken und das seit langem murrende Volk besänftigen kann. Dann aber macht er, was er am Ende seines Lebens bedauert. Wenige Tage vor seinem Tod gibt er seinem Nachfolger, seinem fünfjährigen Urenkel, einen Rat. Er habe, erklärt Ludwig, häufig leichtfertig aus Eitelkeit Krieg geführt – der Thronfolger solle Kriege möglichst vermeiden.

Immer gegen die Habsburger

Diese Kriege führt Ludwig zumeist gegen die Habsburger. Mal ist es ihr spanischer Zweig, mal sind es die österreichischen Habsburger, gegen die er seine Truppen marschieren lässt. Er hat Erfolg, aber diesen Erfolg erkauft er teuer. Ausserdem: Je mächtiger Frankreich wird, umso einiger sind seine Gegner.

Immerzu der Grösste

Alle diese teuren Abenteuer ändern nichts daran, dass dieser Ludwig immerzu der Grösste sein will. Das Jagdschlösschen seines Vaters in Versailles baut er in Etappen zum monumentalen Palast aus, der Hof zieht weg aus Paris, weg vom rebellischen Volk. In Versailles werden Feste gefeiert und Liebschaften geknüpft.

Ludwig XIV. ist, obwohl verheiratet, ein schwer beschäftigter Liebhaber. Alle wissen davon, und so werden neben den offiziellen Kindern zahlreiche inoffizielle geboren.

Ludwig weiss, dass es vor allem auf eines ankommt: auf das Image. Künstler aller Sparten tummeln sich an seinem Hof und tragen sein Bild nach aussen. Der König selber ist geschmackssicher und kunstsinnig: In jungen Jahren tanzt er im Ballett selber mit.

Mark Hengerer: Ludwig XIV. – Das Leben des Sonnenkönigs, C.H. Beck Wissen 2015, 128 S.