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Der jüngste Riss in der Wirklichkeit

Fantastischer Roman Der Frauenfelder Verlag Waldgut ist bekannt für ausgewählte Lyrik, besondere Prosa, kunstvolle Blätter und Buchumschläge. Jetzt stellt Beat Brechbühl als vierten Band seiner Reihe «Zoom» für junge Literatur einen ausgefallenen Roman vor. Der 28-jährige Aargauer János Moser bewegt sich in einer langen, bei uns beinahe vergessenen Tradition – der der fantastischen Literatur. Und Moser macht es gut. «Im Krater» ist ein zugleich ernsthaftes wie launiges Werk voller Spannung und Anspielungen auf uralte Motive. Das Nachwort von Franz Rottensteiner reiht den Autor klug ein in die Vorbilder, die von E. T. A. Hoffmann über Poe und Verne bis H. P. Lovecraft reichen. Rottensteiner betont aber, dass es dem jungen Autor nicht um eine Atmosphäre wachsenden Grauens geht, sondern dass er überlieferte Elemente nonchalant in seine Erzählung einbaut.

János Moser paart Seltsames und Unwirkliches mit modernen Motiven: akademischen Hahnenkämpfen und wirtschaftlichen Interessen. Und er tut dies gekonnt; der Showdown mit dem wiedererweckten Golem, der eine halbe Stadt verwüstet, ist das leicht ironische Final in einer wie ein Märchen aufgespannten Geschichte.

Die Gräfin verwandelt sich in einen Wolf

Das Buch hebt harmlos, fast beschaulich an. Dr. Girard, ein in seiner Karriere stecken gebliebener Geologe, reist mit einem Stück Suevit im Gepäck und seinem schlaffen Sohn Mathieu im Schlepptau in eine Kleinstadt im Mittelland. Er will eine bizarre These beweisen – dass die Stadt auf dem Boden eines abgetragenen Meteoritenkraters steht.

Die Gestalten, denen Girard in der Stadt begegnet, könnten unterschiedlicher nicht sein: die geheimnisvolle und mächtige Gräfin Nowak, der windige Bürgermeister und der schräge Arzt Dr. Zottel, der Kurator des Kunstmuseums und ein russischer Maler, später Girards Professor, der ihn austricksen will. Nur Tramchauffeurin Mina scheint ihm wohlgesinnt. Sie erzählt ihm das Märchen von den drei Schwestern und dem Zauberstein, jetzt ist fertig beschaulich.

János Moser hat zwei Bände mit surrealen Erzählungen veröffentlicht, danach ein Theaterstück; «Im Krater» ist sein erster Roman. Geschickt entwickelt er die fantastische und bisweilen wirre, aber schlüssige Geschichte, baut Spannung auf und reichlich Überraschungen ein. Auch wenn der Autor seine Figuren als Archetypen zeichnet, sind die Dialoge kräftig, ist die Sprache sorgfältig. Den schönsten Satz sagt Mathieu, bevor sie den Golem finden: «Aber das ist alles, was die Fantasie ist. Ein Spiel.»

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

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