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Der Januar hat einen neuen Namen

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Gabriel Felder, Freier Journalist, London

Januar hat einen neuen Namen in Grossbritannien: Veganuary, eine Überlappung aus den Wörtern «vegan» und «January». Über 150 000 Leute haben sich auf der entsprechenden Website eingetragen und sagen für 31 Tage Nein zu Fleisch und allen anderen Tierprodukten. Der vegane Lebensstil, der sich voll und ganz auf eine pflanzliche Ernährungsweise abstützt, fand auch in UK Heerscharen von neuen Enthusiasten in der jüngeren Vergangenheit.

Eine Studie brachte an den Tag, dass die Anzahl von Veganerinnen und Veganern in den letzten zehn Jahren um satte 360 Prozent zugenommen hat. Die Bewegung steht kurz vor dem Durchbruch in Richtung Mainstream, unterstützt von prominenten Aushängeschildern wie Brad Pitt und Jennifer Lopez. «Ich habe viel mehr Energie, seit ich nur noch esse, was aus der Erde kommt», offenbarte die Sängerin und Schauspielerin kürzlich. «Vermissen tue ich eigentlich nur Butter. Mit Butter schmeckt alles besser.» Die Zeiten, in denen eine vegane Ernährung mit extremen Einschränkungen verbunden war, sind allerdings vorbei. Inzwischen finden sich auch in den grossen Supermarktketten ganze Abteilungen mit sogenannten «Free From»-Produkten. Für die Mega-Marken geht’s natürlich vornehmlich um den Gewinn unterm Strich. Trotzdem lässt sich von der Kommerzialisierung eines Nischentrends einiges ableiten: Mit Veganismus muss auch nach dem 31. Jänner gerechnet werden. Der Detailhandelsriese Tesco brach die grösste Lanze, als er mit Pauken und Trompeten ein milchfreies Käsesortiment einführte: Begeisterte Kritiken verbreiteten sich wie Lauffeuer auf Facebook und Twitter und damit auf den Kanälen, in denen heutzutage Trends geboren werden. «Dies ist nur der Anfang», liess Tesco in einer Mitteilung in den sozialen Medien verlauten.

Auch Merkel Armitage glaubt an die Zukunftstauglichkeit der pflanzlichen Küche: Die 34-jährige Gastronomin eröffnete kürzlich das erste 100-prozentig vegane Pub im Londoner East End. «Vor ein paar Jahren hätten wir uns nicht getraut, das Wort vegan auf die Speisekarte zu setzen», erklärte sie in einem Zeitungsinterview. «Nun ist es plötzlich ein Bonus.» Auf dem Menü steht zum Beispiel mariniertes Schweinefleisch in Anführungszeichen – Fleischersatzprodukte gibt’s mittlerweile zuhauf –, serviert mit gebratenen Ananaswürfeln und einer Koriander-Salsa. Geschmack ist Trumpf: Das Image von trostlos faden Tofuschnitten als höchstes der veganen Gefühle ist hoffnungslos veraltet, genau gleich wie der Glaube, ohne Fleisch nicht auszukommen. «Fleisch galt für die Generation meines Vaters als etwas Spezielles, Nichtalltägliches», philosophiert die vegane Wirtin. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir wieder zu dieser Mentalität zurückfinden.»

Tiefere Cholesterin- und Blutdruckwerte, dafür höhere Energiepegel – viele Veganer, mich eingeschlossen, entscheiden sich für eine pflanzenbasierte Ernährung aus Gesundheitsgründen. Grünzeug und Co. lässt sich einfacher verdauen als tierische Proteine und Fette mit dem Vorteil, dass die überschüssige Energie für andere Herausforderungen des modernen Lebens eingesetzt werden kann. Aber auch Umwelt- und Tierschutz spielen eine Rolle, wenn’s um die Entscheidung geht, nur noch zu essen, «was aus der Erde kommt», um Frau Lopez zu zitieren. Sie merken schon, ich lege Ihnen das Veganuary-Experiment wärmstens ans Herz (schliesslich lässt sich vegan auch mit «February» überlappen). Geld-zurück-Garantie, wenn Sie sich nicht um mindestens ein Mü leichter fühlen.

Gabriel Felder, Freier Journalist, London

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