Der Jäger vor unserer Nase

Im Januar werden die Tage wieder länger, und am Nachthimmel ist ein Sternbild nicht zu übersehen, das auch die Astronomen fasziniert.

Rolf App
Drucken
Teilen
Im Grossen Orionnebel bilden sich fortwährend neue Sterne.

Im Grossen Orionnebel bilden sich fortwährend neue Sterne.

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Wer unter der langen Dunkelheit in dieser Jahreszeit leidet, kann beruhigt sein: Es geht mit dem neuen Jahr wieder aufwärts mit dem Tageslicht. Sonnenaufgang ist am 1. Januar um 8.12 Uhr, zu Monatsende um 7.54 Uhr. Das bedeutet: Es wird am Morgen 18 Minuten früher hell. Noch markanter die Veränderung am Abend: Zu Jahresanfang geht die Sonne um 16.39 Uhr unter, Ende Januar dann schon um 17.21 Uhr. Macht 42 Minuten. Zusammen gerechnet bedeutet dies: Wir gewinnen eine volle Stunde an Helligkeit.

Die Sterne präsentieren sich gerade in ihrer schönsten Pracht. Das hängt nicht nur mit diesen Sternen selbst zusammen. Und ebenso wenig allein an den kalten Nächten, die eine klare Sicht ermöglichen, sondern auch damit, dass der Mond die Sterne noch nicht überstrahlt. Seine Sichel ist erst wieder am Wachsen. Am 5. Januar steht er im Ersten Viertel, am 12. ist Vollmond. Dann geht die Beleuchtung wieder zurück – über das letzte Viertel (19.Januar) zum Neumond am 28. Januar.

Venus dominiert den frühen Abend

Schaut man frühabends zum Himmel, dann ist schon recht zeitig ein heller Punkt zu sehen, noch bevor unsere nicht allzu scharfsichtigen Augen die ersten Sternbilder wahrzunehmen vermögen. Es ist die Venus, die sich gerade im Sternbild Wassermann befindet und zum Jahresbeginn um 20.36 Uhr untergeht. Ihre Aufenthaltsdauer am Himmel erhöht sich bis Monatsende auf 21.31 Uhr, auch die Helligkeit nimmt noch leicht zu. Von anderen Planeten hat dieser besondere Abendstern keine Konkurrenz zu fürchten. Merkur ist nur zur Monatsmitte tief im Südosten für einige Tage zu sehen, Mars steht am frühen Abend schon tiefer im Westen.

Jupiter taucht erst in der zweiten Nachthälfte auf. Er befindet sich im Sternbild Jungfrau und verlagert seine Aufgänge nach und nach in die Zeit vor Mitternacht. Am 31. Januar taucht er schon um 23.36 Uhr auf. Ein seltener, weil schwer zu erkennender Gast ist im bereits erwähnten Sternbild Wassermann zu sehen, allerdings nur mit Fernglas oder Teleskop. Es ist der 1846 entdeckte Neptun, der von der Sonne aus gesehen achte Planet. Am 1. Januar zieht Mars an ihm vorbei, am 13. die Venus.

Orion ist das prominenteste Wintersternbild

Wir haben es schon gesagt: Der Sternenhimmel bietet zurzeit einen ausgesprochen prachtvollen Anblick. Vor allem ein Sternbild ist es, das sofort ins Auge fallen muss, und zwar nicht nur weil es zur sogenannten Standardbeobachtungszeit (23 Uhr am 1. Ja­nuar, 22 Uhr am 15. und 21 Uhr zu Monatsende) im Süden gleich vor unserer Nase steht. Nein, das Sternbild Orion ist zweifellos das prominenteste Wintersternbild: mit seinen hellen Eckpunkten, oben dem rötlichen Beteigeuze und dem bläulich-weiss funkelnden Rigel unten. Und mit den drei hellen Sternen in der Mitte, von denen viele Völker glaubten, sie markierten den Gürtel eines himmlischen Jägers oder Kriegers.

Den Astronomen ist der Orion aus anderen Gründen wichtig. Denn in ihm finden sich nicht nur markante Sterne, sondern auch ausgedehnte Nebel, in denen neue Sterne entstehen. Direkt südlich des östlichen Gürtelsterns Alnitak befindet sich der Grosse Orionnebel und in dessen Mitte eine schon 1610 von Galileo Galilei gesichtete Ansammlung junger Sterne: der Sternhaufen Trapez, dem nur ein kurzes Leben beschieden sein wird.

Buchtip

Susanna Hislop/Hannah Waldron: Als die Götter noch mit den Menschen rangen – Geschichten, die uns die Sterne erzählen, Quadriga-Verlag