Der Dinosaurierjäger aus Aathal

Köbi Sibers Lebensweg ist der eines abenteuerlichen Hippies zum angesehenen Dinosaurierforscher und Museumsgründer, der heute einen Ehrendoktortitel vorweisen kann. In einer Biographie wird der steinige und hürdenreiche Weg des erfolgreichen Dino-Jägers dargestellt.

Bruno Knellwolf
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Ein Dinosaurier vor Köbi Sibers Sauriermuseum in Aathal. (Bild: Bruno Knellwolf)

Ein Dinosaurier vor Köbi Sibers Sauriermuseum in Aathal. (Bild: Bruno Knellwolf)

Die Begeisterung Köbi Sibers für Dinosaurier ist spürbar, wenn er durch sein Museum in Aathal führt. Zu jedem Knochen und zu jedem Stein aus weit entfernter Zeit weiss der 72jährige Museumsgründer etwas zu berichten. Jetzt erzählt er seine Lebensgeschichte, seine Jagd auf Mineralien, Fossilien und Dinosaurier in einer Biographie, die der Autor Max Meyer verfasst hat.

Geburtstag an der Westernbar

Seinen 70. Geburtstag hat Köbi Siber 2012 in einer Westernbar in Wyoming gefeiert. In der Gegend, in der er mit der Ausgrabung zahlreicher Dinosaurierskelette seine grössten Erfolge gefeiert hat. Dort, wo er auch heute noch nach Fossilien sucht – in den endlosen Weiten der amerikanischen Prärie.

Im urbaneren Zürich ist Köbi Siber am 4. September 1942 zur Welt gekommen und nach seinem Ururgrossvater Hans-Jakob getauft worden. In Amerika werden sie ihn später und heute noch Kirby rufen, eine phonetische Abwandlung von Köbi. Doch so weit ist es noch nicht. Mit 13 begeistert sich Köbi erstmals für schöne Steine, eine Begeisterung, die er von seinem Grossvater geerbt haben soll, der Bildhauer war. Vater Hans war dagegen nicht Künstler, sondern Unternehmer. Köbi mausert sich zum Gymnasiasten und wird später für ein Jahr Student an der Universität von Montana. Ein Studium beendet Köbi allerdings nicht, weil ihn sein 55jähriger Vater nach dem USA-Jahr dazu auffordert, mit ihm eine Firma zu gründen: 1964 wird deshalb die Firma Siber+Siber gegründet, ein Mineraliengeschäft.

Hippie und Abenteurer

Der 22-Jährige wäre zwar lieber Film- oder Theaterschaffender geworden, schickt sich aber nun emsig in sein familiäres Unternehmerschicksal. Köbi Siber wird zum Weltreisenden, wieder zurück in der Schweiz zieht er nach Aathal, verliebt sich in Gaby Pittner, wird 1972 Vater einer Tochter, zwar Jahre später ein zweites Mal. Auch als Vater bleibt Köbi der langhaarige Hippie, der als Chefeinkäufer von Siber+Siber um die Welt kommt. Von Dinosauriern weiss er damals noch nichts, interessiert sich aber zunehmend für Fossilien.

Köbi verstärkt mit der Zeit seine abenteuerliche Suche danach, mit einigem Erfolg verkauft er die Fossilien auch. Das bringt einen Professor des Naturhistorischen Museums in Wien auf die Idee, Siber nach Dinosauriern zu fragen. So beginnt 1977 die Jagd nach Dinosaurierknochen, die 1992 zur Gründung des Sauriermuseums in Aathal führen wird.

Fund des Lebens verloren

Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg, mit vielen Hürden und Rückschlägen – auch die Trennungen und Scheidungen von seinen verschiedenen Partnerinnen gehören dazu. Sein erster grosser Saurierfund im Jahre 1987, ein zusammenhängendes Skelett eines Allosaurus, Big Al genannt, den Siber auf der Howe Ranch in Wyoming ausgräbt, wird ihm aus juristischen Gründen entrissen. «Der Fund des Lebens», ein Raubsaurier, geht ihm also durch die Lappen. Doch Köbi Siber gibt nicht auf, vier Jahre später wird er einen noch spektakuläreren Fund machen, der ihm Mut gibt, ein Museum zu eröffnen.

Von nun an wächst das Sauriermuseum Jahr für Jahr – beflügelt auch durch den Film «Jurassic Park» – und vor allem dank neuer Funde und Sonderausstellungen im wachsenden Museumsgebäude. Die Dinosaurierjagd des vierfachen Vaters und zweifachen Grossvaters ist mit 72 noch nicht zu Ende. Seine Geschichte ist spannend, könnte aber noch interessanter erzählt werden als in diesem Buch.

Max Meyer: Köbi Siber, Wartmann Natürlich 2014, 280 S., Fr. 34.80.

Max Meyer: Köbi Siber, Wartmann Natürlich 2014, 280 S., Fr. 34.80.