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Der Code des Bösen

Der Barcode als Ursprung allen Übels? Für gewisse Menschen ist das Realität. Andere wittern sogar teuflische Botschaften dahinter.
Kathrin Reimann
Der meditierende Barcode. (Bild: Urs Jaudas)

Der meditierende Barcode. (Bild: Urs Jaudas)

«Die Natur kennt keine geraden Linien. Auch auf dem Menschen gibt es keine einzige. Linien verschmutzen die Umwelt und zerstören die Seele», war schon der Architekt und Maler Friedensreich Hundertwasser überzeugt. Eine Gemeinschaft aus Esoterikern und Anhänger alternativer Heilmethoden geht mit ihm einig. Ihr erklärtes Feindbild ist der Barcode, das Strichmuster aus schwarzen Linien, mit dem fast jedes Produkt im Detailhandel versehen ist. Dieser vereinfacht die Arbeit an der Kasse. Die Kassiererin scannt, anstatt zu tippen. Nicht vorzustellen, wie viel Zeit wir in der Kassen-Schlange verbringen würden, ohne dieses System. Doch Barcode-Gegner können dem nichts abgewinnen, sie glauben, dass die Codes Strahlung und Energie aus der Umgebung aufnehmen und diese dann aufs Essen und Trinken übertragen. Der Laserscanner an der Kasse würde diesen Effekt noch verstärken.

666 auf jeder Packung

Die deutsche Zeitschrift Raum & Zeit – sie versteht sich als «wissenschaftlich und unabhängig», Kritiker bezeichnen sie als «Organ zur Verbreitung von Verschwörungstheorien» – berichtet seit Jahren über die Gefahren. «Die Veränderung der Lebensmittel durch die Laserscanner geht bis zur Erzeugung der Krebs-Frequenz», ist etwa zu lesen. Nachgewiesen wird die Gefahr meist mit Hilfe von Pendeln. Zudem tauschen sich die Barcode-Gegner in Blogs und Foren über die Strahlen aus. Sie glauben, dass der Code das Immunsystem schwächt, die Gedanken vernebelt und zum Kauf verführt. Andere Verschwörungstheoretiker wittern hinter den Zahlenkombinationen Botschaften des Teufels, da in jeder die teuflische Zahl 666 eingearbeitet sei. Doch die Rettung ist nah: Sie heisst Code-Ex-Barcode-Harmonizer. Dabei handelt es sich um einen Stift, mit dem die Codes durchgestrichen werden. Dies neutralisiere die toxische Belastung, wie auf der Seite eines Webshops zu lesen ist.

Manche Firmen haben aufgrund zahlreicher Anfragen verunsicherter Kunden bereits reagiert. Etwa die Bio-Firma Sonnentor aus Österreich, die in ihrer Mitteilung schreibt: «Obwohl die Wirkung wissenschaftlich nicht erwiesen ist und Sonnentor dem Phänomen neutral gegenübersteht, werden wir laufend die EAN-Codes auf den Packungen unseres Sortiments mit einem Querstrich entstören.»

Die Vertreiber des Gewürztees «Yogi-Tee» haben ihren Code zwar nicht durchgestrichen, aber in die Form eines Meditierenden gebracht. Ob dies die Energien neutralisiert, ist zu bezweifeln, immerhin sieht es hübsch aus.

Zurück zur Natur

Der Barcode symbolisiert unsere computergesteuerte, überwachte Welt. Dass dies dem einen oder anderen gegen den Strich geht, ist wahrscheinlicher, als eine erpendelte Gefahr. Vielleicht steht hinter dem Hass ja auch ein Zurück-zur-Natur-Gedanke, sowie eine Abneigung gegen Technik. Schliesslich war auch Friedensreich Hundertwasser ein begeisterter Friedens- und Umweltaktivist.

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