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Den ersten Lohn versteuern?

Vorzugsmiete, Lehrlingslohn, Verdienst im Ausland oder Nebenerwerbstätigkeit: Auch beim zweiten Einsatz am Steuertelefon hatte Steuerexperte José Muro wieder eine Fülle von Fragen zu beantworten. Eine Auswahl.
Bei einem Lehrlingslohn von unter 14 000 Franken muss nicht mit Einkommenssteuern gerechnet werden. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Bei einem Lehrlingslohn von unter 14 000 Franken muss nicht mit Einkommenssteuern gerechnet werden. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Vorzugsmiete

Meine Eltern sind Eigentümer eines 2-Familien-Hauses im Thurgau. Sie bewohnen eine Wohnung, die andere steht leer. Trotzdem müssen sie den gesamten Eigenmietwert versteuern. Der Mietwert für die leerstehende Wohnung beträgt 9600 Franken pro Jahr. Nun überlegen sich meine Eltern, diese Wohnung für lediglich 500 Franken pro Monat an mich zu vermieten. Wird dies steuerlich akzeptiert?

José Muro: Im Steuergesetz des Kantons TG ist die unterpreisliche Vermietung an eine nahestehende Person dem Eigengebrauch gleichgestellt. Damit besteht bei den Staats- und Gemeindesteuern eine gesetzliche Grundlage, in Fällen von unterpreislicher (oder gar unentgeltlicher) Überlassung einer Liegenschaft den vollen Mietwert aus Selbstnutzung zu besteuern. Die gleichen Grundlagen kennen auch die Kantone SG und AR. Der Abzug für am Wohnsitz selbstbewohnte Liegenschaften auf dem Mietwert aus Selbstnutzung (Kanton Thurgau 40%, Direkte Bundessteuer 20%) wird nicht gewährt, da die Liegenschaft nicht durch den Eigentümer selbst bewohnt wird.

Im Gegensatz zu den Staats- und Gemeindesteuern fehlt bei der Direkten Bundessteuer bei einer Vorzugsmiete eine gesetzliche Grundlage, um die Differenz zwischen dem tatsächlich vereinnahmten Mietzins und dem höheren Mietwert aus Selbstnutzung dem Eigentümer steuerlich als Einkommen zuzurechnen. Für die Besteuerung ist daher in der Regel auf den abgeschlossenen Mietvertrag abzustellen. Allerdings wird geprüft, ob eine Steuerumgehung vorliegt. Eine solche kann gemäss Bundesgericht grundsätzlich ausgeschlossen werden, wenn ein Mietzins bezahlt wird, der mehr als 50% des Eigenmietwertes beträgt. Liegt eine Steuerumgehung vor und beträgt der tatsächliche Ertrag weniger als 50% des Eigenmietwertes, erfolgt eine Aufrechnung bis zur Höhe des gesamten Mietwertes.

Bei einer Vermietung an Sie für jährlich 6000 Franken (über 50% des Eigenmietwertes) müssen die Eltern bei den Staats- und Gemeindesteuern somit 9600 und bei der Direkten Bundessteuer 6000 Franken versteuern. Bleibt aber alles beim alten, beträgt der steuerbare Eigenmietwert für den Kanton TG 5760 und für die Direkte Bundessteuer 7680 Franken, da sich der Selbstnutzungsabzug auswirkt. Aus Liquiditätssicht dürfte die erste Variante vorteilhafter sein, aus reiner Steueroptik ist die zweite Variante zu bevorzugen.

Steuererklärung eines Lehrlings

Meine Tochter wurde letztes Jahr mündig, lebt im Kanton St. Gallen und absolviert eine Lehre. Ihr Nettolohn betrug im Jahr 2015 nicht ganz 14 000 Franken. Löst das bereits eine Steuer aus?

José Muro: Einkünfte, die Lernende für ihre Tätigkeiten beziehen, gehören zum steuerbaren Einkommen. Allerdings ist zu beachten, dass die Steuertarife so ausgestaltet sind, dass die untersten Einkommensklassen nicht besteuert werden. Im Kanton St. Gallen werden erst ab einem steuerbaren Einkommen von 11 000 Franken Steuern erhoben. Im Kanton Thurgau liegt die Grenze bei 11 700 und in Appenzell Ausserrhoden bei 8000 Franken. Bei der Direkten Bundessteuer liegt die Grenze sogar bei 17 700 Franken. Werden diese Einkommensgrenzen überschritten, fallen üblicherweise Einkommenssteuern an. Allerdings ist es so, dass auch bei den Kantonen geringe Steuerbeträge aus administrativen Gründen gar nicht erhoben werden. Wegen dieser Regelungen haben viele Lehrlinge keine Einkommenssteuern zu bezahlen.

Als Faustregel müssen Lernende mit einem Lohn von weniger als 14 000 Franken nicht mit Einkommenssteuern rechnen. Das heisst aber nicht, dass Löhne unter dieser Grenze steuerfrei wären. Sämtliche Erwerbseinkünfte (auch die der Lernenden) müssen in der Steuererklärung deklariert werden. Dafür können die entsprechenden Berufsauslagen in Abzug gebracht werden. Bei Ihrer Tochter vermute ich, dass allein schon die Deklaration der Berufsauslagen dazu führt, dass das steuerbare Einkommen unter 11 000 Franken liegt.

Rente und Nebenerwerb

Ich wohne in der Stadt St. Gallen, bin seit Anfang 2015 pensioniert und gehe noch einer kleinen unselbständigen Nebenerwerbstätigkeit nach. Im Jahr 2015 habe ich so netto rund 5000 Franken verdient. Muss ich dieses Einkommen nun als Haupt- oder Nebenerwerb deklarieren?

José Muro: Eine erwerbstätige Person mit nur einer Beschäftigung führt immer eine Haupterwerbstätigkeit aus, auch wenn diese im allgemeinen Sprachgebrauch als «Nebenerwerb» bezeichnet wird. Somit sollten Sie diese Einkünfte als Haupterwerb deklarieren. Zudem stehen Ihnen die Abzüge für Berufsauslagen zu. Vorerst ist der Pauschalabzug für Berufsauslagen geltend zu machen. Dieser beträgt 700 Franken zuzüglich 10% des Nettolohnes, höchstens 2400 Franken. Das macht in Ihrem Fall 1200 Franken aus. Weitere denkbare Abzüge sind Fahrtkosten, Verpflegungskosten.

Schweizerische und ausländische Einkünfte

Mein Lebenspartner ist deutscher Staatsangehöriger und lebt schon seit Jahren in der Schweiz. Als Arzt erzielt er sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit. Zur Erzielung des deutschen Einkommens hält er sich jeweils mehrere Wochen in Deutschland auf. Beim Gehalt in Deutschland kommt die Lohnsteuer in Abzug. Aufgrund dieser Besteuerung hat mein Lebenspartner in der Schweiz nie etwas deklariert. Nun habe ich gehört, dass man dieses Gehalt auch in der Schweiz hätte deklarieren müssen. Trifft das zu und was sind die Folgen?

José Muro: Eine in der Schweiz unbeschränkt steuerpflichtige Person muss in der schweizerischen Steuererklärung sämtliche Einkommens- und Vermögenswerte deklarieren, unabhängig davon, ob sie in der Schweiz oder im Ausland erzielt werden. Was die Schweiz schliesslich besteuern darf, entscheidet sich aufgrund der Doppelbesteuerungsabkommen respektive des jeweiligen nationalen Rechts, wobei das Besteuerungsrecht bei ausländischen Erwerbseinkünften grundsätzlich dort ist, wo die Arbeit physisch ausgeübt wird. Der Lohnsteuerabzug geht also in Ordnung.

Der Grund der Deklaration liegt im sogenannten Progressionsvorbehalt. Dies bedeutet, dass das in der Schweiz zu besteuernde Einkommen (und allenfalls Vermögen) zu dem Steuersatz besteuert wird, der sich aufgrund des weltweiten Einkommens ergibt. Wenn im Ausland ein Erwerbseinkommen erzielt wird, erhöht sich der schweizerische Steuersatz. Nebst dem ausländischen Erwerbseinkommen dürfen auch die kausal mit der Ausübung dieser Tätigkeit zusammenhängenden Kosten (Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten) deklariert werden.

Da das ausländische Nettoeinkommen den schweizerischen Steuersatz erhöht, ist das schweizerische Einkommen vermutlich bisher etwas zu tief besteuert worden. Somit empfehle ich Ihrem Lebenspartner den Weg einer straflosen Selbstanzeige, wo er die Lohnsteuerbescheinigungen und eine Aufstellung über die Berufskosten der letzten Jahre einreichen sollte. Mit der Selbstanzeige wird die Nachsteuer für die Jahre erhoben, in denen Ihr Lebenspartner in Deutschland ein unselbständiges Erwerbseinkommen erzielt hat. Die Nachsteuer kann maximal für die letzten 10 Jahre erhoben werden (also ab dem Steuerjahr 2006).

Fahrkosten bei Krankheit und Unfall

Mein Ehemann ist krebskrank und musste im Jahr 2015 rund 40mal zur Chemotherapie von Ebnat-Kappel nach St. Gallen. So entstanden beträchtliche Fahrtkosten. Können wir diese Aufwendungen geltend machen?

José Muro: In der Steuererklärung bestehen zwei Abzugsarten im Zusammenhang mit Gesundheitskosten: Zum einen sind es die Krankheits- und Unfallkosten, zum anderen die sogenannten behinderungsbedingten Kosten. Bei ersteren wird ein Fahrtkostenabzug sehr restriktiv gehandhabt, da diese Kosten in der Regel nur indirekt mit einer Krankheit beziehungsweise deren Heilung in Zusammenhang stehen. Sie sind deshalb grundsätzlich nicht als Krankheitskosten abzugsfähig. In Ausnahmefällen, in denen ein sehr starker, direkter Bezug zu den Heilungsbemühungen bestehen, wäre ein Abzug denkbar.

Durch eine Behinderung verursachte Kosten für den Transport zum Arzt, zu Therapien, zu Tagesstätten usw. können hingegen als behinderungsbedingte Kosten abgezogen werden. Zum Abzug zugelassen sind dabei die Kosten des öffentlichen Verkehrsmittels oder eines Behindertenfahrdienstes. Ist deren Benützung nicht möglich oder nicht zumutbar, können die Kosten eines privaten Motorfahrzeuges (Kilometerentschädigung) abgezogen werden.

Krankheits- und Unfallkosten entstehen nur aufgrund eines vorübergehenden Zustands. Eine Behinderung ist dagegen dauernd. Das Element der Dauerhaftigkeit unterscheidet die behinderungsbedingten Kosten von den Krankheits- und Unfallkosten. Die Krebserkrankung Ihres Mannes ist (hoffentlich) nur vorübergehend. Somit stellt sich die Frage, ob ein Abzug der Fahrtkosten als Krankheitskosten denkbar ist. Bei diesem Abzug sind Sie wohl etwas auf die Gunst der Steuerbehörde angewiesen. Ich empfehle Ihnen, die Kosten geltend zu machen und darzulegen, weshalb die Chemotherapie in St. Gallen durchgeführt wurde. Meiner Erfahrung nach werden Transportkosten dann zum Abzug zugelassen, wenn ein anerkannter Spezialist, der die in Frage stehende Krankheit bestmöglich behandeln kann, aufgesucht wird.

José Muro Betriebsökonom HWV, Partner der St. Galler Steuerexperten AG (Bild: Urs Bucher)

José Muro Betriebsökonom HWV, Partner der St. Galler Steuerexperten AG (Bild: Urs Bucher)

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