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«DAS SUPERTALENT»: Showbühne statt Turnhalle

Der ehemalige Schweizer Spitzenturner Lucas Fischer steht im Finale der RTL-Show. Nach dem schwierigen Abgang vom Reck hat er eine neue Passion gefunden.

Wenn ein 27-Jähriger über eine Biografie verfügt, kann dies zumindest vordergründig zwei Gründe haben: Entweder handelt es sich um eine Person, die in jungen Jahren ohne besondere Leistung, aber mit Prominenz einen Geltungs- und Darstellungsdrang entwickelt hat, der sich in öffentlicher Aufmerksamkeit und früher Verewigung manifestieren muss. Deshalb ein Buch. Oder die betreffende Person hat tatsächlich Ausserordentliches geleistet und erlebt, das es verdient, zwischen zwei Buchdeckel gefasst zu werden.

Der Fall von Lucas Fischer lässt sich nicht so leicht einordnen. So wie vieles in seinem Leben entzieht er sich einfacher Deutung. Sicher aber ist: Der ehemalige Spitzenturner, der Vizeeuropameister und mehrfacher Schweizer Meister war, ist ein Mensch, der niemanden kalt lässt. Er wird bewundert, zuweilen auch belächelt. Was er tut, macht er mit einer Leidenschaft und einer Hingabe, die manchmal etwas Grenzenloses hat. Und auch etwas Tragisches: Fischer, der sich selbstironisch als «Trainingsweltmeister» bezeichnet, scheiterte an wichtigen Wettkämpfen immer wieder an sich selber, stürzte im dümmsten Moment von Barren und Reck.

Wirklich tragisch wurde es 2010: Fischer erlitt einen epileptischen Anfall – und turnte trotzdem weiter. Bis sein Körper nicht mehr mitmachte. Vor gut zwei Jahren trat er zurück. Das Loch, in das er fiel, war tief: Ess- und Schlafstörungen, Depressionen verfolgten den jungen Mann. «Nach der Karriere habe ich mein Leben verloren, wusste nicht mehr, für was ich am Morgen aufstehe. Es war ein Schatten über meinem Leben», sagte er einst der «Aargauer Zeitung».

Doch das «Tigerherz» – so die Überschrift der von Katrin Sutter verfassten Biografie und Songtitel eines Fischer-Liedes – lässt sich nicht unterkriegen. Er wechselt einfach die Bühne. Fortan verbindet er den Boden der Turnhalle mit den Brettern der Showbühne. Artistik und Singen heisst Fischers neue Disziplin. Der introvertierte Extrovertierte erfindet sich gleichsam neu, um er selbst bleiben zu können. Und wie: Am internationalen Circus-Festival in Monte Carlo wird er im Frühling dieses Jahres Clown de Bronze. Im Sommer steht er im Musical «Cats» auf der Bühne der Thunerseespiele. Und am Sonntagabend zieht der Turner-Sänger vor den Augen von Dieter Bohlen und vier Millionen Fernsehzuschauern als erster Schweizer direkt ins Finale der RTL-Castingshow «Das Supertalent» ein.

Es ist ein weiterer Schritt auf dem an Windungen und Wendungen reichen Weg in einem Leben, das ebenso viele Höhen wie Tiefen kennt. Eine «Schicksalsgeschichte» eben, wie sie die Biografie erzählt – und eine mit offenem Ausgang. Am Samstag, beim Finale von «Das Supertalent», soll ein neues Kapitel angefügt werden. Zu Lucas Fischer würde passen, wenn es die Erzählung über einen grandiosen Sieg wäre. Aber auch, wenn es die Geschichte einer Niederlage würde. Eine, an der er nicht zerbräche, wie zu vermuten steht. Weil er schon Bedeutenderes erlebt hat als eine TV-Show.

Balz Bruder

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