Das rätselhafte Ereignis im Ausland

Was sind die Bahnen in der Schweiz während Jahrzehnten gescholten worden! Den Ruf der Pünktlichkeit konnten sie sich zwar stets bewahren, den wurden sie nicht los, obwohl auch bei ihnen längst nicht immer alles fahrplanmässig lief.

Beda Hanimann
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Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Was sind die Bahnen in der Schweiz während Jahrzehnten gescholten worden! Den Ruf der Pünktlichkeit konnten sie sich zwar stets bewahren, den wurden sie nicht los, obwohl auch bei ihnen längst nicht immer alles fahrplanmässig lief. Nein, es war etwas anderes: Sie galten als informationsfaul, als kommunikationsresistent.

Da konnte ein Zug über die Abfahrtszeit hinaus im Bahnhof stehenbleiben, einer auf offener Strecke anhalten, ein dritter nicht ankommen. Die Fahrgäste informieren? Das kam der Bahn nicht in den Sinn. Die Bähnler standen schweigend herum oder waren plötzlich vom Perron verschwunden, auf Bahnhöfen und in Zügen blieb es still, als wäre der Lautsprecher noch nicht erfunden.

Das hat sich gebessert, es war im Zeitalter des umfassenden Informierens und des steten Kommunizierens wohl unumgänglich. Wo jeder Wartende am Handy gleich selber nachschauen kann, wo sein Zug steckengeblieben ist. Dafür liefern die Bähnler nun Erklärungen. Die Rhätische Bahn beruhigt die Passagiere treuherzig, wenn ein Zug auch nur eine Minute stehenbleibt: «Wir müssen einen Gegenzug abwarten und fahren dann gleich weiter.»

Die kurioseste Durchsage haben die SBB im Repertoire. Schon bei Verspätungen von vier Minuten heisst es im Fernverkehr: «Grund ist ein Ereignis im Ausland.» Brav, aber was soll diese Information? So kann man informieren und doch nichts sagen. Ausser vielleicht dem: «Wir sind unschuldig, die Italiener in Mailand haben geschlampt.» Ist ja irgendwie auch wieder menschlich, nicht das zu sagen, was man meint.

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