Das mediale Vorspiel ist im vollen Gange

Es gibt die natürliche und die künstliche Form eines Hypes, jener Form von grossflächiger Aufmerksamkeit, der man sich als Individuum kaum entziehen kann. «Auf welchem Planeten lebst Du denn?», wird man sich dann von jenen anhören dürfen, welche die Nase und Ohren im Wind haben.

Andreas Stock
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Andreas Stock)

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Es gibt die natürliche und die künstliche Form eines Hypes, jener Form von grossflächiger Aufmerksamkeit, der man sich als Individuum kaum entziehen kann. «Auf welchem Planeten lebst Du denn?», wird man sich dann von jenen anhören dürfen, welche die Nase und Ohren im Wind haben. Nun sind Zeitgeist-Phänomene interessant, wenn sie sich aus dem Nichts entwickeln – und nicht durch teures Marketing erzeugt werden. Vor vier Jahren entwickelte sich der erotische Roman «Fifty Shades of Grey» erst über Mund-zu-Mund-Propaganda zum Phänomen. Nichts war neu an dieser ausschweifenden Geschichte um eine 21jährige Studentin, die sich auf sadomasochistische Sexspielchen einlässt. Doch wurde daraus ein weltweiter Bestseller und es wurde auf allen Kanälen darüber debattiert und spekuliert, was Anlass für die breitflächig ausgelöste Lüsternheit auf derlei Anzüglichkeiten sein möge – und was davon aus feministischer und kultureller Sicht zu halten sei.

Nun kocht das Reizthema wieder hoch. Denn nächste Woche startet der erste Film zur Buchtrilogie im Kino. Diesmal ist die Erhitzung gesteuert. Der Trailer wird sogar in der Werbepause des WM-Skirennens gezeigt, es wird spekuliert, wie viele Minuten und wie explizit der Sex im Film sei. «Blick am Abend» publiziert die Sexszenen des Buches als Serie – und holt heuchlerisch die Frage aus der Mottenkiste, ob der Stoff Vergewaltigung verherrliche. Das mediale Vorspiel ist in vollem Gange – wer der marketingtechnischen Penetration entkommen will, müsste sich wohl in eine Klause zurückziehen.

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