Das Licht als Medium

Man nimmt schon durchs Schaufenster wahr, dass da einer am Werk ist, dessen Licht-Visionen weit über den geläufigen Begriff «Beleuchtungskörper» hinausreichen.

Brigitte Schmid-Gugler
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Man nimmt schon durchs Schaufenster wahr, dass da einer am Werk ist, dessen Licht-Visionen weit über den geläufigen Begriff «Beleuchtungskörper» hinausreichen. Gallus Zwicker, ein Mensch und Lichtgestalter, der gerne lacht und seine Worte bedächtig wählt, zeigt auf eine alte, seitlich auf dem Boden liegende Kommode, aus deren Schubladen und Wänden Stücke herausgesägt wurden. Das Tageslicht, das so in die Skulptur und aus ihr herausdringt, verleiht dem seinem ursprünglichen Zweck enthobenen Gegenstand eine neue Dimension. Das Objekt ist ein Werk der Rheintaler Künstlerin Catrin Lüthi K, und Gallus Zwicker sagt dazu, das Möbelstück sei für ihn wie ein Manifest seiner eigenen Herangehensweise an Licht und dessen Gestaltung.

Konzepte wie zersägte Schubladen

Er habe sich, als er die Kommode entdeckt hatte, gefragt, in welche Schublade er passe, und habe sie mit der zersägten Kommode gefunden. Und er fügt hinzu, Licht sei ein Medium, «mit dem man eine Ganzheit darstellen kann». Diese Haltung, welche mit dem Verkauf beziehungsweise mit dem Erwerb eines Beleuchtungskörpers so gut wie nichts gemeinsam hat, mag damit zu erklären sein, dass Lichtgestalter Zwicker einen ungewöhnlichen Weg gegangen ist, bis er das Licht für sich als Beruf entdeckte – er nennt sich einen Autodidakten. Der in St. Gallen aufgewachsene Sohn eines Schlossers erlernte den Beruf seines Vaters. Als er 22 Jahre alt war, lernte er den damals 83-jährigen Hans Wälchli kennen, der im solothurnischen Zuchwil in seinem eigenen kleinen Betrieb Aussenleuchten fabrizierte. Der junge St. Galler war hingerissen von Schlichtheit und Raffinesse der Leuchten. Er konnte den Betrieb des alten Mannes kaufen und begann, erste eigene Modelle zu entwickeln.

Das Räumliche begreifen

In den 25 Jahren, die dazwischen liegen, hat sich Gallus Zwicker, der eng mit Architekten zusammenarbeitet, als Lichtgestalter einen grossen Namen gemacht. Er entwickelt seine Lichtkonzepte mit dem Blick eines Flaneurs durch Raum und Zeit: Das sich verändernde Tageslicht mündet bei ihm in beleuchtete Räume, deren Lichtquellen erst beim zweiten Blick wahrnehmbar sind, doch immer das Atmosphärische herausschälen: die reformierte Kirche Teufen; der Kursaal Heiden; die Burg Gutenberg; der Kantonsratssaal Herisau; die Holzbrücke zwischen Sevelen und Vaduz; der «Bären» in Gonten – «zwickerlicht» gab allen diesen Orten den Zwick des Aussergewöhnlichen.