Das grosse W und sein explosives Geheimnis

Die alten Griechen haben den Himmel für unveränderlich gehalten. Dass er das nicht ist, das zeigen die vielen Schleier, die zu beobachten sind. Einer befindet sich diesen Monat an auffälliger Stelle hoch über unsern Köpfen.

Rolf App
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Ein wunderschöner Supernova-Überrest in der Kassiopeia.

Ein wunderschöner Supernova-Überrest in der Kassiopeia.

Die alten Griechen haben den Himmel für unveränderlich gehalten. Dass er das nicht ist, das zeigen die vielen Schleier, die zu beobachten sind. Einer befindet sich diesen Monat an auffälliger Stelle hoch über unsern Köpfen.

Tageslänge: Die kurzen Tage sind schwer im Kommen. Im Monat November werden wir 70 Minuten an Helligkeit verlieren: 42 am Morgen, 28 am Abend. Die Sonne ist letzten Freitag um 7.07 Uhr aufgegangen, bis zum 30. verspätet sich ihr Erscheinen auf 7.49 Uhr. Sie ist am Freitag um 17.05 Uhr untergegangen und wird am 30. um 17.33 hinter den Horizont verschwinden.

Mondlauf: Gestern war Neumond, ab heute geht es aufwärts mit dem Mond. Kommenden Sonntag steht er im Ersten Viertel, am 17. ist Vollmond. Am 25. steht der Mond im Letzten Viertel.

Planeten: Die Planeten sind erfreulich zahlreich am Nachthimmel präsent. Sogar Merkur, der als sonnennächster Trabant nur schwer aus ihrem Licht zu treten vermag. Ab dem 10. November und bis zum 25. ist er knapp über dem Osthorizont in der Morgendämmerung zu sehen. Umgekehrt steht Venus in der Abenddämmerung im Südwesten, während Jupiter im Nordosten aufgeht: Er ist das dominierende Gestirn des Nachthimmels, zumal er im Lauf des Monats auch noch heller wird. Mars geht nach 1 Uhr nachts im Osten auf, zu Monatsbeginn im Sternbild Löwe, später in der Jungfrau.

Sternenhimmel: Nicht nur das Wetter und die Sonne haben deutlich auf Herbst umgeschaltet. Auch in der Nacht ist der Wechsel der Jahreszeiten deutlich zu erkennen. Zur so genannten Standardbeobachtungszeit (23 Uhr zu Monatsbeginn, 22 Uhr am 15. und 21 Uhr am 30. November) steht das Sommerdreieck aus den Sternen Deneb (im Schwan), Wega (in der Leier) und Atair (im Adler) schon weit im Westen, während im Osten bereits die lichtstarken Wintersternbilder Orion und Zwillinge zu sehen sind. Dazwischen stehen hoch im Süden das Pegasus-Viereck und die herbstlichen Sternbilder Andromeda, Widder und Perseus. Und, hoch über unsern Köpfen, das grosse «W» der Kassiopeia – allerdings umgedreht, so dass sie eher wie ein «M» aussieht.

Das Himmels-W: Kassiopeia gehört zu den so genannten zirkumpolaren Sternbildern. Das heisst, sie verschwindet niemals unter dem Horizont. Zumindest für uns nicht, denn es hängt vom Beobachtungspunkt ab, welche Sternbilder zirkumpolar sind. An Nord- und Südpol trifft dies auf alle Sterne zu.

Die fünf wichtigsten Eterne von Kassiopeia bilden das deutlich sichtbare «W». Schedir, zweiter Stern von rechts, ist der hellste davon. Im Sternbild finden sich daneben eine ganze Reihe von Sternhaufen. Und zwei Nebel: Im runden Bubble-Nebel NGC 7635 bilden sich neue Sterne, bei der Radioquelle Cassiopeia A befindet sich der Überrest einer Supernova (siehe Bild). Supernovae sind Explosionen massereicher Sterne am Ende ihres Lebenszyklus. Dabei stossen sie eine Hülle aus Staub und Gas von sich. Wäre sie nicht von solchen Wolken verdeckt gewesen, so hätte diese Explosion um das Jahr 1680 beobachtet werden können. Übrig geblieben ist die Radioquelle.