Das grosse Finale der Hitzewelle

Die Schweiz erlebte eine der extremsten Hitzewochen seit dem Messbeginn vor über 150 Jahren. Vom 1. bis zum 7. Juli 2015 erreichte die durchschnittliche Tagesmaximum-Temperatur im Flachland der Alpennordseite 33 bis über 36 Grad. Der Dienstag war der Rekordtag schlechthin.

Bruno Knellwolf
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Anzahl von Hitzetagen im Jahr für die Periode 2070 bis 2099. (Bild: MeteoSchweiz)

Anzahl von Hitzetagen im Jahr für die Periode 2070 bis 2099. (Bild: MeteoSchweiz)

Das Finale am Dienstag war furios. Die Hitze war nicht mehr aus den Häusern zu treiben, schweisstriefend sassen die Menschen vor ihren Computern oder im angenehmeren Fall im Schwimmbad, wo es die Möglichkeit einer Abkühlung gab. Einer leichten allerdings nur, denn auch der Bodensee ist 25? Celsius und mehr warm.

Den Schweizer Hitzerekord erlebten am Dienstag die Menschen in Genf. 39,7 Grad zeigte dort das Thermometer – die höchste je auf der Alpennordseite gemessene Temperatur. Sie liegt fast ein Grad über dem bisherigen Rekord von 38,9 Grad vom 28. Juli 1921, gemessen ebenfalls in Genf. Dagegen waren die 32,6 Grad am Bodensee fast bescheiden, wie auch die 31,2 Grad in St. Gallen.

Die höchsten Durchschnittswerte der Tagesmaximum-Temperatur über sieben Tage registrierten die Messstandorte Genf und Sion mit 36,3 und 36,0 Grad. Basel und Delémont zeigten 34,7 und 34,9 Grad, Würenlingen in der Nordschweiz 35,3 Grad, schreibt MeteoSchweiz.

Rekordnähe für Hitzewoche

In der Region Genf stieg das Siebentagesmittel des Tagesmaximums mit 36,3 Grad auf den zweithöchsten Wert in der über 150jährigen Messreihe. Die vergangene Hitzewoche war in Genf damit praktisch gleich heiss wie die Rekord-Hitzewoche im August des Hitzesommers 2003, welche 36,7 Grad brachte. An den Messstandorten Neuchâtel, Bern, Luzern und Zürich – alles Messreihen mit langen homogenen Daten zur Maximum-Temperatur – gab es in den Sommern 1947 und 2003 heissere Wochen als aktuell.

Breite Kaltfront

Mit der Kaltfront, welche die Ostschweiz gestern am frühen Morgen erreichte, und den dadurch gebildeten Gewittern verabschiedete sich die Hitzewelle. Die Kaltfront hatte sich von der Biskaya über Nordfrankreich bis nach Dänemark erstreckt. Weit anhaltender war die Jahrhunderthitze des Sommers 2003. Damals blieb es über zwei Wochen hinweg so heiss wie in diesem Jahr über eine Woche.

Freunde solch tropischer Verhältnisse können sich freuen: Gemäss MeteoSchweiz zeigen die Klima-Szenarien, dass in der Schweiz bis Ende Jahrhundert eine starke Zunahme von Hitzewellen sehr wahrscheinlich ist. Heute sind im langjährigen Durchschnitt in Tieflagen auf der Alpennordseite 10 bis 15 Hitzetage pro Jahr zu erwarten. Als Hitzetage gelten jene, welche eine Maximum-Temperatur von 30 Grad oder mehr bringen.

Gemäss einem von MeteoSchweiz berechneten mittleren Szenario werden es in Tieflagen auf der Alpennordseite und im Wallis bis Ende Jahrhundert 30 bis 40, regional auch über 40 Hitzetage pro Jahr sein.

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