Das ewige Auf und Ab

Im vergangenen Jahr noch heiss und trocken, ist der aktuelle Sommer bisher auf der schlechten Seite. Wegen der feuchtmilden Meeresluft gibt es diesen stetigen Wechsel.

Bruno Knellwolf
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Viele Blitze bei uns im Juni. (Bild: ky)

Viele Blitze bei uns im Juni. (Bild: ky)

Menschen, die in höheren Lagen ihr Zuhause haben, fürchteten bereits, die Schneeschaufel hervornehmen zu müssen. Am Montag war es noch über 30 Grad Celsius heiss, danach sank das Thermometer im Laufe der Woche um rund 20 Grad.

Da dachten einige wohl wehmütig an den vergangenen Sommer zurück, in welchem stabile Sommertemperaturen herrschten und die Badeanstalten Rekordbesuche registrierten. Letztes Jahr heiss und trocken, dieses Jahr feucht und in den letzten Tagen sogar sehr kalt. Auf der Suche nach einer Erklärung für solch unterschiedliche Sommer bietet sich Stephan Bader an, Klimatologe beim Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, kurz MeteoSchweiz genannt.

Feuchtmilde Meeresluft

«Die Erklärung heisst Variabilität», sagt Stephan Bader. Denn das Klima in der Schweiz wird stark durch den nahen Atlantik bestimmt. Von dorther gelangt mit den vorherrschenden Strömungen aus westlichen Richtungen vorwiegend feuchtmilde Meeresluft in die Schweiz.

«Das ist der Grund, warum in der Schweiz zu allen Jahreszeiten reichlich Niederschlag fällt. In der Ostschweiz fällt im Sommer deutlich mehr Niederschlag als im Winter», sagt Bader, was die meisten von uns ziemlich oft ärgert. «Da die Atmosphäre kein statisches, sondern ein höchst variables System ist, fällt dieser Niederschlag nicht in jedem Jahr in gleicher Menge, sondern mal mehr und mal weniger. Zudem auch in einzelnen Jahren viel mehr oder viel weniger», sagt der Klimatologe. Freuten sich die Bademeister letztes Jahr über den vielen Sonnenschein, sind sie diesen Sommer oft alleine in der Badi gesessen.

Gleichmässig verteilt

Die untenstehende Grafik zeigt diese von Bader genannte Variabilität bestens. Der vorletzte Sommer war der drittnasseste in der Schweiz seit dem Jahr 1961. «Nasse und trockene Sommer sind schön gleichmässig verteilt, es gibt in den letzten 55 Jahren keinen Trend zu nasseren oder trockeneren Sommern», sagt Bader. In Erinnerung wird aber der vergangene Juni bleiben, der gerade in St. Gallen mit 145 Prozent zur Norm deutlich zu nass war. Die erste Monatshälfte brachte Gewitter mit kräftigen Niederschlägen und lokalen Überschwemmungen. In der Ostschweiz war feuchte Mittelmeerluft der Grund für die Starkniederschläge.

Ähnlich niederschlagsreiche Juni-Monate sind in der Ostschweiz in den vergangenen 55 Jahren im Mittel alle fünf Jahre aufgetreten. Deutlich nasser waren zum Beispiel der Juni 2013 und der Juni 2009. Ähnlich nass waren die Juni-Monate 2001, 2002 und 2010. «St. Gallen hat also Erfahrung mit nassen Juni-Monaten», sagt Stephan Bader.

Kein kalter Sommer

Deutlich besser sieht es diesen Monat aus. Der Juli brachte in der Ostschweiz bisher nur 50 Prozent der Norm. Er liegt damit zur Monatsmitte genau im Mittel. Und wer nach eigenem Empfinden glaubte, dieser Sommer sei deutlich zu kalt, irrt. «Absolut nicht», sagt Bader. «Der Juni lag in der Schweiz 0,2 Grad über der Norm. Der Juli liegt sogar 0,2 Grad bis 0,6 Grad über der Norm.» Als Norm gilt die Periode von 1981 bis 2010. «Wirklich kalte Sommer haben wir in den letzten 25 Jahren nicht erlebt», sagt der Klimatologe von MeteoSchweiz.