Dank Sport besser denken

Eine neue Studie mit Kindern im Alter von sieben bis neun Jahren hat den Zusammenhang von Sport und Aufmerksamkeit belegt. Wer sich viel bewegt, denkt fokussierter und konzentrierter.

Elke Bunge
Merken
Drucken
Teilen
Nach der Schule eine Stunde zu turnen, steigert die Konzentrationsfähigkeit der Kinder. (Bild: ky/Patrick B. Krämer)

Nach der Schule eine Stunde zu turnen, steigert die Konzentrationsfähigkeit der Kinder. (Bild: ky/Patrick B. Krämer)

Freizeit ist in unserer Gesellschaft ein knappes Gut. Das beginnt bereits im Kindesalter. Lange Schultage, teilweise mit 6-Tage-Woche und ständigen Hausaufgaben, lassen wenig freie Stunden. Diese werden dann am liebsten mit Fernsehen, Telefonieren und Computerspielen verbracht. Draussen toben, Ballspielen oder Radfahren gehört heutzutage nicht mehr zu den Freizeittätigkeiten von Kindern oder Jugendlichen.

Turnen statt gamen

Dass diese Bewegungsarmut gesundheitliche Risiken, wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes, in sich birgt, ist längst bekannt. Doch nicht nur die körperliche Gesundheit wird mit Sport gefördert: Kinder, die sich nach der Schule körperlich betätigen, können ihre Konzentrationsfähigkeit sowie kognitive Flexibilität erheblich verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Illinois, bei der Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren nach der Schule miteinander turnten.

Kognitive Tests zeigten, dass die Aufmerksamkeitsfähigkeit der Kinder stieg, sie konnten sich besser fokussieren und mögliche Ablenkungen von aussen besser abblocken. Weiterhin erhöhte sich deren kognitive Flexibilität. Das bedeutet, dass die sportlichen Kinder besser zwischen intellektuellen Aufgaben wechseln können.

Täglich siebzig Minuten Sport

An der Studie nahmen 221 Kinder zwischen sieben und neun Jahren teil. Die Hälfte der Studienteilnehmer trieb neun Monate lang täglich etwa siebzig Minuten Sport, die andere Gruppe veränderte ihre Lebensgewohnheiten nicht. Dabei trugen die Kinder in der Trainingsgruppe Pulsuhren und Schrittzähler. «Im Durchschnitt entsprach die Kinder-Herzfrequenz einem moderaten bis kräftigen Niveau der Trainingsintensität, während ihres Trainingszeitraums machten sie im Durchschnitt etwa 4500 Schritte», so Studienleiter Charles Hillman. Der Professor für Allgemeine Gesundheit und Bewegungswissenschaft an der Universität von Illinois befasst sich schon seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen durch Bewegungsmangel bei Jugendlichen.

Veränderte Gehirnfunktionen

Der Fitnessgrad erhöhte sich bei den Kindern in der Trainingsgruppe im Verlauf der Studie. Sie zeigten jedoch auch deutliche Steigerungen der «kognitiven Flexibilität». Sie konnten besser zwischen unterschiedlichen geistigen Aufgaben wechseln, ohne dass sich Geschwindigkeit und Genauigkeit bei der Lösung von Aufgaben verschlechterten. Eine weitere Fähigkeit, die die Forscher «Aufmerksamkeits-Hemmung» nennen, ein Mass für die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren ohne sich ablenken zu lassen, wurde ebenfalls verbessert.

Schneller, konzentrierter

«Bei Untersuchungen der Gehirnfunktion der Kinder in der Turngruppe fanden wir starke Veränderungen des Gehirns, die sich vor allem auf den Bereich kognitive Aufgaben, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Zuweisung von Aufmerksamkeit beziehen. Diese Veränderungen waren bei den sporttreibenden Kindern deutlich grösser als bei jenen aus der Vergleichsgruppe», gibt Hillman in seiner Studie an.

Kinder in der Kontrollgruppe zeigten nur minimale Verbesserungen, die im Einklang mit der normalen Reifung des kindlichen Gehirns standen.

Neue Freunde finden

Zusätzlich zu der Tatsache, dass Kinder, die Sport treiben, körperlich und geistig fitter sind, entstehen beim gemeinsamen Sport neue soziale Kontakte und Freundschaften. «Kinder als soziale Wesen üben ihre physischen Aktivitäten in einem sozialen Umfeld aus», erläutert Hillman. «Das ist ein wichtiger Grund, warum Kinder an Sportgruppen teilnehmen, sie wollen Spass haben und neue Freunde finden. Im Nebeneffekt zeigte unsere Untersuchung, dass diese sozialen Bedürfnisse ebenfalls gestillt werden wollen.»