Damen mit Hündchen auf dem Dorfe

Zuerst standen da nur riesige Bauvisiere, dann kamen die Baumaschinen und nun sind sie plötzlich nicht mehr zu übersehen: Nicht die modernen Überbauungen mit «einzigartigem Weitblick an bevorzugter Lage», sondern diese Damen mit ihren winzigen Hündchen.

Katja Fischer De Santi
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Katja Fischer De Santi)

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Zuerst standen da nur riesige Bauvisiere, dann kamen die Baumaschinen und nun sind sie plötzlich nicht mehr zu übersehen: Nicht die modernen Überbauungen mit «einzigartigem Weitblick an bevorzugter Lage», sondern diese Damen mit ihren winzigen Hündchen. Solche Mini-Hündchen mit Mini-Pullovern gab es hier früher nicht. Es gab in diesem Dorf früher auch keine Tiefgaragen. Jetzt steht abends auch mal ein schnittiger Sportwagen vor dem Dorfladen. An schönen Sonntagen werden Cabriolets ausgefahren und Autos mit «fremden» Nummernschildern kreuzen suchend durch die Strassen. Man sieht plötzlich viel mehr Menschen joggen – nicht mehr nur kurz nach Silvester.

Von Gentrifizierung zu schreiben, wäre wohl etwas vermessen. Aber etwas geht vor in diesem kleinen Dorf am See. Einem Dorf, dessen Bewohner sich bis vor einigen Jahren ihrer «bevorzugten Wohnlage» überhaupt nicht bewusst waren. Entweder man wohnte an der Hauptstrasse (laut), in der Nähe des Sees (Mücken) oder mit Gleisanschluss praktisch unter dem Küchenfenster. Die Häuser waren eher klein, die Menschen eher Handwerker, denn Akademiker, es gab viele Familien und noch mehr ältere Menschen. Und nun sind da diese Frauen mit den kleinen Hündchen, sind da agile Pensionäre und Frauen mit kugelrunden Babybäuchen. Sie sind hierher gekommen, um mit «Wellnessfaktor» zu leben «im Grünen», dort «wo andere Ferien machen» (zumindest auf dem Campingplatz). Etwas geht vor in diesem kleinen Dorf am See. Es wurde auch Zeit.

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