CYBERKRIMINALITÄT: Die fünf grössten Hacker

Vom Saulus zum Paulus – viele einst gefürchtete und zu langen Haftstrafen und hohen Bussen verurteilte Hacker sind heute gefragte Fachleute. Doch nicht alle sind glücklich geworden.

Georg H. Przikling
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Am «Start Hack» treffen jeweils 350 Hacker zusammen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 12. März 2016))

Am «Start Hack» treffen jeweils 350 Hacker zusammen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 12. März 2016))

Georg H. Przikling

Technisch versierte Hacker gibt es nicht erst seit den Cyberattacken WannaCry und Petya. Doch während die Hintermänner der beiden Schädlinge nach wie vor unbekannt sind, sieht es bei den Cyberkriminellen aus zurückliegenden Jahrzehnten anders aus. Viele von ihnen wurden geschnappt und mussten Haftstrafen absitzen. Dennoch besitzen die meisten von ihnen bis heute Kultstatus.

Hacker lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Die «white-hat hackers», die sich in Systeme einschleusen, um deren Sicherheit zu verbessern. Daneben gibt es die «grey-hat hackers», die das Ganze aus Spass machen. Die gefährlichsten Angreifer sind jedoch die «black-hat hackers», die massive Schäden verursachen, wie unsere Liste der grössten Hacker zeigt:

Kevin Mitnick: Der Bekannteste

Der 1963 geborene Kevin Mitnick ist wohl der mit Abstand bekannteste Hacker. Schon mit 13 Jahren gelang es ihm, das Busfahrkartensystem in seiner Heimatstadt Los Angeles zu überlisten. Mit 16 drang er in das Netzwerk von DEC (Digital Equipment Corporation) ein und entwendete deren Software, was ihm zwölf Monate Haft einbrachte. Kaum entlassen, knackte er das Computersystem des Telefonanbieters Pacific Bell und entzog sich der Verhaftung durch eine zweieinhalb Jahre dauernde Flucht.

In dieser Zeit drang er unter dem Decknamen «Condor» mehr als hundert Mal ins Netzwerk des US-Verteidigungsministerium, der NSA und Norad ein – fünf Jahre Haft waren die Strafe. Acht Monate davon waren übrigens in Isolationshaft, weil die Staatsanwaltschaft den Richter davon überzeugen konnte, dass Mitnick «...nur ins Telefon pfeifen müsse, um einen nuklearen Krieg auszulösen». Heute betreibt Mitnick, der mehrere Bücher geschrieben hat, eine Firma für Computersicherheit.

Jonathan James: Der Unschuldige

So viel Glück wie Mitnick hatte Jonathan James leider nicht. 1983 in Miami geboren, interessierte er sich schon mit sechs Jahren für PCs. Mit 15 Jahren installierte er auf einem ausgelagerten Rechner des US-Verteidigungsministeriums einen Sniffer, um damit Zugangscodes auszuspähen. Mit diesen drang er schliesslich in die Server des Ministeriums sowie der Internationalen Raumstation ISS ein. Das brachte ihm als Minderjährigem sechs Monate Hausarrest ein sowie das Verbot, Computer zu nutzen.

Im Jahr 2007 wurde James beschuldigt, an einem Hackerangriff auf die Firma TJX beteiligt gewesen zu sein, bei dem die Kreditkartendaten von Millionen Kunden entwendet wurden. James beteuerte seine Unschuld und verfiel in Depressionen, weil er davon überzeugt war, dass man ihn für Taten verfolge, mit denen er nichts zu tun habe. Am 18 Mai 2008 erschoss er sich schliesslich unter der Dusche.

Kevin Poulsen: Dark Dante

Ein wahres Genie in der Manipulation von Telefonsystemen ist der 1965 in Pasadena geborene Kevin Poulsen alias «Dark Dante». Bereits mit 13 Jahren pfiff er Steuerungscodes in den Hörer, um Zugang zu den Servicefunktionen des Telefonanbieters zu bekommen.

Seine Begabung nutzte Poulsen schliesslich aus, um im Jahr 1990 bei den Verlosungen von Radiostationen kräftig abzusahnen: Weil dabei immer nur der 102. Anrufer durchgestellt wurde, blockierte Poulsen zusammen mit zwei Freunden gezielt die Telefonanlagen von Sendern wie Kiss FM, so dass andere Anrufer keine Chance hatten. Auf diese Weise erbeuteten sie zwei Porsche, zahlreiche Reisen und Bargeld. Das brachte ihn auf die Fahndungsliste des FBI, und er tauchte unter. Wozu Poulsen im Stande ist, zeigte sich wenig später in der TV-Sendung «Mystery Unsolved», die dem hiesigen «Aktenzeichen XY ungelöst» ähnelt.

Während der Sendung, die unter anderem von ihm berichtete, brach die gesamte Telefonanlage zusammen, so dass Anrufer keine Hinweise geben konnten. Auch dahinter steckte Poulsen. Geholfen hat es wenig, am Ende verbrachte er fünf Jahre in Haft, gefolgt von einem dreijährigen PC-Verbot. Heute arbeitet Poulsen als Journalist und kümmert sich um Themen der Cybersicherheit.

Robert Tappan Morris: Der Erfinder des Wurms

Dass sich Computerwissen auszahlt, beweist auch das Beispiel des 1965 geborenen Robert Morris, der heute als Erfinder des Computerwurms gilt. Im Alter von 23 Jahren programmierte der Harvard-Absolvent den «Morris-Wurm». Der sollte eigentlich nur die Zahl der vorhandenen Rechner in einem Netzwerk zählen. Durch einen Programmierfehler entwich der Wurm jedoch ins Internet, wo er insgesamt zehn Prozent des gesamten Datenverkehrs verursachte.

Morris, der seine Tat nie leugnete, wurde 1990 von einem Gericht zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe, 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Geldstrafe in Höhe von rund 10000 US-Dollar verurteilt. Heute ist er als Informatikprofessor am angesehenen Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig.

Adrian Lamo: Der Verräter

Der 1981 in Boston geborene Adrian Lamo hat sich in jungen Jahren vor allem durch Einbrüche in gut gesicherte Netzwerke einen Namen gemacht. Zu seinen Opfern zählten unter anderem der Verlag der «New York Times», Microsoft und Yahoo, was ihm 2004 sechs Monate Hausarrest, zwei Jahre auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 65000 US-Dollar bescherte.

Wirklich bekannt ist Adrian Lamo, der unter dem Asperger-Syndrom leidet, aber aus einem anderen Grund. Er war es nämlich, der 2010 Chelsea Manning als Whistleblower an die amerikanischen Behörden verpfiff. Manning hatte sich damals in einem Onlinechat Lamo anvertraut und zugegeben, die auf ­Wikileaks veröffentlichten Dokumente und Videos aus dem Irak-Krieg von den Rechnern des Verteidigungsministeriums kopiert zu haben. In Hackerkreisen gilt Adrian Lamo deshalb bis heute als Verräter.