Cyber-Angriff auf das Stromnetz

Wir hängen dauernd am Strom. Ein Blackout, also ein Stromausfall, trifft uns heute ungleich härter als noch vor einigen Jahren. Ende April hat ein Blackout die Innenstadt von Zürich lahmgelegt. An der Zürcher Bahnhofstrasse standen die Trams still, die Ampeln funktionierten nicht mehr.

Bruno Knellwolf
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Der Strom muss stetig laufen. (Bild: Benjamin Manser)

Der Strom muss stetig laufen. (Bild: Benjamin Manser)

Wir hängen dauernd am Strom. Ein Blackout, also ein Stromausfall, trifft uns heute ungleich härter als noch vor einigen Jahren. Ende April hat ein Blackout die Innenstadt von Zürich lahmgelegt. An der Zürcher Bahnhofstrasse standen die Trams still, die Ampeln funktionierten nicht mehr. Autofahrer konnten Tiefgaragen nicht mehr verlassen. Grund dafür war eine Störung bei den Elektrizitätswerken der Stadt Zürich – zwei Transformatoren sind automatisch ausgeschaltet worden. Nach etwa fünfzig Minuten konnte das Stromnetz wieder aktiviert werden. Einen viel grösseren Blackout gab es im Dezember 2015 in der Ukraine, der nun erforscht worden ist. Rund 700 000 Westukrainer waren damals betroffen.

Gezielter Cyber-Angriff

Im Wissenschaftsmagazin «Technologist» erklärt der Holländer Erik de Jong, der bei einer Cyber-Sicherheitsagentur arbeitet, wie es zu diesem grossen Blackout kommen konnte. Gemäss De Jong hatte es sich um einen gezielten Cyber-Angriff gehandelt. Hacker hatten den Stromausfall bewusst verursacht mit Hilfe einer Schadsoftware, Malware genannt, mit der sie ins Netz eingedrungen sind. Durch eine DoS-Attacke verhinderten die Hacker, dass Kunden die Stromausfälle melden konnten, um in dieser Zeit mit einer weiteren Malware die Systeme lahmzulegen.

Wahrscheinlich sei ein ahnungsloser Mitarbeiter benutzt worden, der auf einen infizierten Anhang geklickt habe.

Das ukrainische Stromversorgungsnetz sei besonders anfällig, weil dort Tausende von Maschinen miteinander kommunizieren müssten, welche sich gegenseitig «verseuchten». Ein solcher Angriff könnte nach De Jong allerdings nicht nur in der eher strukturschwachen Ukraine erfolgen. «Wenn ein zielstrebiger Hacker genug Zeit und Ressourcen hat, kann er dies überall auf der Welt tun», sagt De Jong im «Technologist». Selbst in neuen Elektrizitätssystemen sei es schwer, die Infrastrukturen gut genug gegen einen entschlossenen Angreifer zu schützen. Zudem sei es schwierig, einen Angreifer zu ermitteln, weil es im Internet viele Möglichkeiten gebe, die eigenen Spuren zu verwischen. Im Falle der Ukraine sind Experten der Ansicht, dass die Malware russischer Herkunft ist.

Der grösste Blackout

Als einer der grössten Blackouts gilt jener im Jahr 2003 in Nordamerika. Der führte zu dunklen Innenstädten, Flugzeugen, die am Boden blieben, und zu einem Volk im Gänsemarsch durch die Finsternis. Ein paar durchgebrannte Sicherungen waren schuld am Lichterlöschen zwischen New York bis Ottawa – keine Cyber-Attacke. Noch mehr Menschen waren 2012 in Indien von einem Blackout betroffen – 600 Millionen.