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COMIC: Amüsantes Altern

Das neue Werk von Ralf König heisst «Herbst in der Hose». Es gehört zu seinen besten und – ganz der Thematik entsprechend – ausgereiftesten.
Hans Keller
Aus Pauls wilden Party-Kumpanen sind wehleidige, kränkelnde Männer geworden. (Bild: PD)

Aus Pauls wilden Party-Kumpanen sind wehleidige, kränkelnde Männer geworden. (Bild: PD)

Hans Keller

Sommer hin oder her, der Herbst kommt bestimmt. Was auch für das menschliche Leben gilt, wenn man denn nicht zu früh das Zeitliche gesegnet hat. Das Herbsteln bringt so einige Veränderungen mit sich und zwar vorwiegend negative: Das Haupthaar fällt aus und ergraut, Fett grassiert an Stellen, die früher von Muskeln gepanzert waren, Runzeln graben sich durchs Gesicht. Die schwule Partyszene gehörte schon immer zu den libidinösen Szenarien, in der man die alterslose Lust im Hier und Jetzt feiert. Doch auch der wildeste Partylöwe ist dem Alterungs­prozess unterworfen. Darum und um noch viel anderes Allge­meinmenschliches und absolut nicht spezifisch Schwules geht es in Ralf Königs ausgereiftem ­«Alterswerk».

Aus Muskelgewebe wird Bauchfett

Der aus anderen König-Büchern bekannte Protagonist Paul ist mittlerweile 56 und man darf ihn durchaus mit seinem heute 57-jährigen Schöpfer identifizieren. Paul erfreut sich immer noch einer gut funktionierenden Potenz, für die er auf der Schwulenszene berühmt ist. Doch auch an Paul knabbert der Alterungsprozess. Im Dreitagebart mehren sich weisse Haare, die einst knackigen Schultermuskeln sind in Form von Fett ein Stockwerk tiefer in die Bauchgegend gerutscht. Gott sei Dank führt Paul seit Jahren eine Beziehung mit dem besonnenen Musiker Konrad, der ihm zu seiner Be(un)ruhigung aus dem Internet ungerührt Fakten über den Alterungsprozess vorliest. Über die Andropause als Pendant zur weiblichen Menopause, über «Anstieg des Körpergewichtes mit Zunahme des Körperfettanteils» und «Nachlassen der Libido sowie Erektionsstörungen», was den sich für präpotent haltenden Paul mit wütend aufgerissener Klappe auf die Palme bringt. Aber gerade Paul wird zu einem anschaulichen ­Opfer des Alterungsprozesses, da er sich in spektakulär offensiver Weise gegen diesen wehrt. Da erscheint ein Lover aus Zürich und der bringt einen blutjungen Typen mit, neben dem Paul schlicht alt aussieht. Selbsterkenntnis bohrt sich unangenehm durch das ganze Buch.

Da hilft kein Sichsträuben: Pauls Lederhose ist zu eng geworden und es melden sich hoffnungslos verbürgerlichte Freunde aus der wilden Vergangenheit; auf den Partys gehört man zum alten Eisen und wird nicht mehr beachtet. Paul entschliesst sich, die Fotos im Internet zu löschen, in welchen er sich als angeblich 49-jähriges knackiges Sexmonster angeboten hat.

Knollennasenmännchen- Ästhetik

Es werden hier so gut wie alle Defekt-Varianten durchgehechelt, welche der Alterungsprozess mit sich bringt, und zwar optisch in meist kleinteiliger und zur Reife gebrachter Knollennasenmännchen-Ästhetik. Der Thematik entsprechend, weiss König mittels einfachster Zeichentechnik Stimmungsschwankungen auszudrücken, sei es die blanke ­Panik in Pauls Gesicht oder aber auch das stoische Temperament seines Freundes Konrad, der als Rezept gegen den nicht abzuwendenden Alterungsprozess ein wirksames Mittel vorschlägt: Gelassenheit.

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