Chuck Blazer, der Kronzeuge mit dem Mikrophon

Der Maulwurf beim Weltfussballverband hat drei Namen: Chuck wird er genannt oder «Mister Ten Percent», Ende der 1980er-Jahre hiess er aber schlicht Charles Blazer und war ein wenig erfolgreicher Geschäftsmann in New York. Mit dem Fussball verband ihn nur der Club seines Sohnes, den er leitete.

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Der Maulwurf beim Weltfussballverband hat drei Namen: Chuck wird er genannt oder «Mister Ten Percent», Ende der 1980er-Jahre hiess er aber schlicht Charles Blazer und war ein wenig erfolgreicher Geschäftsmann in New York. Mit dem Fussball verband ihn nur der Club seines Sohnes, den er leitete. Doch damit legte er den Grundstein für seinen Aufstieg zu einem der umtriebigsten Fifa-Funktionäre.

Aus Queens in den Trump Tower

Der heute 70-Jährige aus dem armen New Yorker Stadtteil Queens machte etwas aus seinem Engagement. Er stieg im nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fussballverband Concacaf auf und gehörte dem Fifa-Exekutivkomitee von 1996 bis 2013 an. Blazer arbeitete eng mit Jack Warner zusammen, einem Politiker und Sportfunktionär aus Trinidad. Beide sorgten dafür, dass Warner Präsident des allamerikanischen Verbandes wurde. Prompt stellte Warner dann 1990 Blazer als Generalsekretär ein. Das Gehalt war rasch geklärt: Chuck Blazer sollte mit zehn Prozent aller Einnahmen von Concacaf entlöhnt werden. So wurde aus Charles erst Chuck und dann «Mister Ten Percent».

Die zehn Prozent waren anfangs nicht viel. Zu Beginn der 1990er-Jahre nahm der Verband gerade einmal 140 000 Dollar jährlich ein. Doch Blazer schaffte es, in den USA Fussball populär zu machen. Vom herrschaftlichen Büro im Trump Tower aus holte er internationale Clubs zu Gastspielen ins Land und brachte 1994 die Fifa-Fussball-WM nach Übersee. Danach flossen die Gelder an den Verband – und zu zehn Prozent an Blazer. 2011 nahm die Concacaf rund 60 Millionen Dollar ein.

Millionen gescheffelt

In seiner 23jährigen Karriere als Fussballfunktionär scheffelte Chuck Blazer Millionen. Er kaufte zwei Appartements im Trump Tower in Manhattan, wo er seine Katzen hielt und den Verband führte. Er kaufte Häuser in Miami, in Florida und auf den Bahamas. Für den pompösen Lebensstil des adipösen Bartträgers kamen die Fifa und ihre Verbände rund um die Welt auf.

Seinen Heimatverband jedoch musste der mächtigste Mann des amerikanischen Fussballs 2011 verlassen: Das amerikanische Bundeskriminalamt FBI ermittelte gegen Blazer wegen Steuerbetrugs, Korruption und Geldwäsche und drohte ihm mit einer Anklage und Gefängnis. Um das zu verhindern, willigte er ein, Beweise für die Korruption anderer Fifa-Grössen herbeizuschaffen – und half so mit, vor dem Kongress in Zürich mehrere Funktionäre ans Messer zu liefern.

Vom FBI «verdrahtet»

In seinem Internet-Blog hatte Blazer früher ausführlich von seinen Luxusreisen durch die Welt berichtet – unter anderem auch von einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin, der ihn mit einem «breiten, offenen Lächeln» in seinem Privatbüro begrüsst habe. Pikant: Russland richtet die WM 2018 aus, die Vergabe ist Teil der derzeitigen Ermittlungen. Ob Putin in seiner Zeit als KGB-Agent jemals «verdrahtet» war, ist nicht bekannt. Blazer jedenfalls bekam vom FBI ein verdecktes Mikrophon in seine Uhrenkette und hörte etwa 2012 am Rande der Olympischen Spiele in London andere Sportfunktionäre ab. Heute liegt er mit Darmkrebs in einem New Yorker Krankenhaus. (Dye)