China will im grossen Stil Tiere klonen

In der Stadt Tianjin ist eine grosse Anlage für das Kopieren von Tieren geplant. Was in der Europäischen Union verboten ist, verbreitet sich so Schritt für Schritt um den Erdball. Doch auch in China gibt es Bürger, die dagegen Bedenken haben.

Finn Mayer-Kuckuk
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In China sollen Kühe in der Klonfabrik entstehen. (Bild: fotolia)

In China sollen Kühe in der Klonfabrik entstehen. (Bild: fotolia)

Die Klon-Armee kommt: In der chinesischen Hafenstadt Tianjin entsteht die weltgrösste Anlage zum Kopieren von Tieren. «Wir können aussichtsreiche Züchtungen in hoher Qualität und riesiger Zahl herstellen», sagt Xu Xiaochun, Chef der Betreiberfirma Boyalife, chinesischen Medien. «Die Technik des Klonens ist aus der Experimentierphase heraus und hat die Ebene der wirtschaftlichen Anwendung erreicht.» Boyalife investiere insgesamt eine runde Milliarde Euro in die Klonfabrik, die schon weitgehend fertiggestellt sei. Schon im kommenden Jahr könne sie 100 000 Embryonen herstellen.

In den USA verbreitet

Auch in anderen Ländern ist das Klonen von Nutztieren bereits gängige Praxis. Besonders ertragreiche Milchkühe werden bei diesem Verfahren in US-Labors zur Blaupause für exakt ebenso leistungsfähigen Jungtiere. Die US-Firma Viagen beispielsweise wirbt mit dem Slogan «Wir vervielfältigen Erfolg».

Das EU-Parlament lehnt ab

Das EU-Parlament spricht sich dagegen dafür aus, das Klonen von Nutztieren zu verbieten: Es schade dem Wohl der Tiere, zudem seien die Folgen nicht absehbar. Auch Eizellen und Samen von Klontieren dürfen nicht in die Europäische Union eingeführt werden.

Die Praxis gilt inzwischen als grundsätzlich beherrschbar, doch in den Reagenzgläsern entstehen immer noch viele Embryonen, die nicht lebensfähig sind. Die Ausbeute lässt noch zu wünschen übrig. Neu ist in China daher das Ausmass des Klon-Projekts. Die Produktion von knapp 300 Tieren pro Tag bringt auch ganz andere Grössenordnungen.

In Tianjin entsteht nun ein Hochhaus, um die Fliessbänder und Labors für die Massenproduktion zu beherbergen. Das Vorhaben ist absolut ernst gemeint, wie die Gruppe der Kooperationspartner zeigt: Die renommierte Peking-Universität und die Internationale Akademie für Biomedizin der Stadt Tianjin sind mit im Boot.

China sucht den Vorsprung

China will sich einen Vorsprung in der Biomedizin verschaffen. Geringere Ethikstandards und bessere Arbeitsbedingungen sollen schneller zu kommerziellen Anwendungen führen als im Westen. Eine Arbeitsgruppe unter dem Biomediziner Huang Junjiu hat im Frühling sogar das Genom menschlicher Embryonen experimentell verändert: ein Tabubruch.

Der Ehrgeiz der politischen Führung ist enorm: In einem derzeit laufenden «Fünfjahresplan für medizinische Forschung» sind Ausgaben von 300 Milliarden Euro vorgesehen. Erste Priorität hat die Genomforschung. Nachdem China in der traditionellen Pharmazeutik hinterherhinkt, will es nun eine Entwicklungsstufe überspringen.

Die Förderung der gewaltigen Klonfabrik in Tianjin wirkt im Rahmen dieser Strategie als logischer Schritt. Die Wahl der wissenschaftlichen Leitung macht jedoch stutzig. Die technische Seite verantwortet das südkoreanische Unternehmen Sooam Biotech, auch ein Partner von Boyalife. Sooam Biotech betreibt in der chinesischen Stadt Weihai bereits eine Kloneinrichtung, die beispielsweise Kopien lebender Hunde anbietet – für 100 000 Euro pro Stück.

Ein alter Bekannter

Der Gründer der Firma, der Tierarzt Hwang Woo Suk, geniesst erhebliche Bekanntheit – und zwar als Schwindler. Ursprünglich war er einer der angesehensten Klonforscher Südkoreas. Dann hat er im grossen Stil Forschungsergebnisse gefälscht, um weitere Erfolge zu liefern. Die Seoul National University hat ihn 2006 hinausgeworfen.

Doch Hwangs frühere Erfolge waren real, ebenso wie die Vervielfältigung von Hunden durch seine Firma in den vergangenen Monaten. Auch Boyalife ist eine grundsätzlich seriös operierende Firma mit hohen Ansprüchen. Wenn Firmenchef Xu etwas ankündigt, dann hat das Hand und Pfote. «In China machen wir alles in riesigem Massstab.»

Freude – und Zweifel

Viele Chinesen sehen die Möglichkeit der neuen Techniken als positive Entwicklung. «Ich fände es toll, wenn ich meinen Hund klonen lassen könnte», sagt Haustierbesitzer Chen Xin in Peking. «Es sollte bloss nicht zu viel kosten.» Andere sehen die Entwicklung kritisch. «Die Stadt Tianjin hat uns Bürgern schon genug geschadet», meint ein Nutzer auf dem Nachrichtenportal Sina.com. «Jetzt gehen von unserer Stadt Gefahren für die ganze Nation aus.»