Botta zerpflückt Schweizer Auftritt

Mario Botta, der Architekt mit Weltruf aus dem Tessin, lässt am Schweizer Expo-Auftritt kein gutes Haar. Die Expo als Ganzes war für ihn nichts mehr als ein «gigantischer Vergnügungspark».

Gerhard Lob/Mailand
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Mario Botta Architekt (Bild: ky)

Mario Botta Architekt (Bild: ky)

«Das war ein gigantischer Vergnügungspark für die Mailänder unter dem Deckmäntelchen des Welternährungsthemas», sagt Mario Botta, der international bekannte Architekt aus dem Tessin. Im Gespräch mit dieser Zeitung äussert er sich überaus kritisch und lässt kein gutes Haar an der Mailänder Weltausstellung. Er bemängelte etwa, dass die ursprüngliche Idee einer Gartenstadt, die ohne Länderpavillons auskommt, aufgegeben wurde. Stattdessen hätte die Eitelkeit der Teilnehmerländer gesiegt, die schöne und weniger schöne Pavillons verwirklicht hätten, doch letztlich seien Tempel in einem von Konsum bestimmten Areal entstanden.

Ein Pavillon für die Oltner Peripherie

Auch für den Schweizer Pavillon findet Botta – ganz im Gegenteil etwa zu Aussenminister Didier Burkhalter, der den Auftritt zum Abschluss noch einmal würdigte – keine lobenden Worte: «Die Schweiz hat auf die ikonographische Komponente von Architektur verzichtet und einen Pavillon gebaut, als ob man in der Peripherie von Olten wäre.»

Auch mit dem Konzept der vier Türme konnte Botta wenig anfangen. Neben Wasser und Salz als Grundnahrungsmittel wurden Apfelringe verteilt, aber auch Kaffee in Form von Nescafé-Sticks. Für Botta eine Alibiübung, eine Art Betrug, denn unter dem Vorwand des verantwortungsvollen Konsums habe man auf diese Art und Weise ein Produkt in den Schweizer Auftritt eingeschleust, das mit dem Kernthema Welternährung nichts zu tun habe: «Man kann bestimmt nicht mit Nescafé den Planeten ernähren.»

Auch Herzog wandte sich ab

Das ursprüngliche Ausstellungskonzept mit der Gartenstadt war im übrigen vom Basler Architekten Jacques Herzog mitentworfen worden. Als sich abzeichnete, dass doch wieder nationale Pavillons entstehen würden, stieg dieser allerdings aus. Schliesslich entwarf Herzog aber den Holzpavillon von Slow Food.