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BOTANICA: Vergissmeinnicht am Bodensee

In 22 Schweizer Botanischen Gärten werden während eines Monats seltene Wildpflanzen gezeigt, welche zum Teil nur noch in den Gärten überleben. Sehr rar sind auch zwei Bodensee-Pflanzenarten.
Bruno Knellwolf
Das seltene Bodensee-Vergissmeinnicht braucht sauberes Wasser. (Bild: Ralph Ribi (Botanischer Garten SG))

Das seltene Bodensee-Vergissmeinnicht braucht sauberes Wasser. (Bild: Ralph Ribi (Botanischer Garten SG))

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf

@tagblatt.ch

Vergissmeinnicht – welch treffender Name für eine Pflanze, die Anerkennung braucht und derart selten ist. Denn darum geht es an der diesjährigen Botanica: Rare und oft verborgene Pflanzen ans Tageslicht zu rücken. In 22 Botanischen Gärten der Schweiz werden «die letzten ihrer Art» gezeigt. In der Schweiz ist fast die Hälfte aller Typen von Lebensräumen bedroht und knapp ein Drittel der Schweizer Flora ist gefährdet. Die Botanischen Gärten arbeiten mit, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, als eine Art «Arche Noah». Gefährdete Arten werden in den Botanischen Gärten gehalten und vermehrt.

Den Begriff Arche Noah hört der Leiter des Botanischen Gartens in St. Gallen, Hanspeter Schumacher, allerdings nicht so gerne. «Das ist ein grosses Wort», sagt er. «Auch wir können nicht garantieren, dass jede gefährdete Art in unserem Garten durchkommt.» Versucht wird das allerdings, und das mit Erfolg. Im St. Galler Tropenhaus ist zum Beispiel die Rothmannia zu finden, die nur auf der Insel Arife auf den Seychellen wächst. Sie ist eine Verwandte des Kaffeebaums. «Weltweit gibt es nur noch 100 Pflanzen davon. Wir können deren Samen dank unserer Zucht verteilen», sagt Schumacher.

Nur noch im Botanischen Garten

Sehr selten ist auch eine Hauswurz-Art, die nur an einem einzigen Felsen in der Steiermark wächst. Da stünden die dort lebenden Menschen in der Verantwortung, sich für ein solch rares Gut ins Zeug zu legen. Zudem gibt es tatsächlich Pflanzen, die nur noch in den Botanischen Gärten zu finden sind. Ein Beispiel dafür ist der Toromiro, eine Hawaiipalme.

Die Sammlungen in den Botanischen Gärten werden dokumentiert und die Datenbanken stehen der Wissenschaft zur Verfügung. Der Artenschutz läuft auch über den internationalen Austausch von Samen. Einige Hoffnung setze man in der Schweiz in die Kleinbauern, welche mit umweltfreundlicher Landwirtschaft der Biodiversität helfen könnten, sagt der Botaniker. Noch müsse sich die Biolandwirtschaft etablieren. An der diesjährigen Botanica stellt Schumacher zwei seltene einheimische Wildpflanzen ins Schaufenster, die es nur noch am Bodensee gibt. Zum einen das anfangs genannte Bodensee-Vergissmeinnicht. Früher gab es diese Pflanzenart auch noch am Genfersee und im Tessin. Dort fiel die Pflanze der Regulierung der Seespiegel zum Opfer. Denn dem nur zehn Zentimeter hohen Bodensee-Vergissmeinnicht mit seinen himmelblauen Blüten behagt es, wenn es immer wieder überspült wird. Dadurch werden Humusstoffe aus dem Uferkies geschwemmt, was Konkurrenten des Vergissmeinnicht nicht lieben. Dieses mag aber nährstoffarme, kiesige und zeitweise überschwemmte Uferbereiche, wie es sie am Bodensee noch gibt. Allerdings ist das Vergissmeinnicht auch hier stark gefährdet und wegen Uferverbauungen, Seeuferregulierungen und Freizeitaktivitäten bereits vielerorts verschwunden.

Auf sauberes Wasser angewiesen

Das gilt auch für die andere Bodensee-Pflanze, die Strand-Schmiele, die gemäss Schumacher etwas weniger selten und gefährdet ist als das Vergissmeinnicht. Auch die bis 90 Zentimeter hohe Schmiele kommt nur noch an nährstoffarmen Ufern des Bodensees vor und vereinzelt noch am Lac de Joux. Beide Bodenseepflanzen sind auf sauberes Wasser angewiesen. Den Bodensee wegen der «Fischproduktion» künstlich mit Phosphaten zu verdrecken, wie Fischer das zur Zeit fordern, hält der Leiter des Botanischen Gartens für keine gute Idee. Dadurch wachsen mehr Algen, welche sich wie eine Folie über solche Pflanzen legen. Kleinwüchsige gehen daran kaputt. Der See diene nicht in erster Linie der «Fleischproduktion», sagt Schumacher.

Botanica

Die letzten ihrer Art: Erhaltung gefährdeter Wildpflanzen in 22 Botanischen Gärten der Schweiz, bis 16. Juli 2017

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