Blumenduft macht Bienen friedlich

Wenn Honigbienen sich bedroht fühlen, können selbst die sonst eher friedlichen Insekten aggressiv werden. Jetzt haben Forscher ein Besänftigungselixier entdeckt: Bestimmte Blütendüfte lösen statt der Stechlust den Futtertrieb aus.

Nadja Podbregar
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Honigbienen kommunizieren nicht nur mit dem sogenannten Schwänzeltanz, sondern auch über chemische Signale. Ausgeprägt ist dies in Situationen, in denen der Bienenstock durch Eindringlinge gefährdet ist: «Die Wächterbienen machen auf die Bedrohung aufmerksam, indem sie das Stich-Alarmpheromon freisetzen», erklären Morgane Nouvian von der University of Queensland in Brisbane und ihre Kollegen in einer Untersuchung.

«Sie stechen ihn»

Dies ruft bei den Soldatenbienen aggressives Verhalten hervor und sorgt so für eine Abwehr des potenziellen Feindes: «Sie fliegen aus, bedrohen den Eindringling und stechen ihn dann auch», erklärt Nouvian.

Bisher nicht geklärt war jedoch, ob diese Duftsignale und die von ihnen hervorgerufenen Reaktionen durch andere Düfte beeinflusst werden können. In ihrer Studie haben die Forscher dies nun ausprobiert.

Duftstoffe hemmen Angriffslust

Im Experiment fingen die Forscher gezielt einige Wächter- und Soldatenbienen aus einem Bienenstock ein und setzten sie jeweils zu zweit in eine Versuchsarena. In dieser imitierte ein rotierender, dunkler Dummy mit einer an ihm hängenden Feder eine akute Bedrohung. Währenddessen setzte eine Düse entweder nur das Alarmpheromon frei oder aber gleichzeitig einen von neun verschiedenen Duftstoffen, die häufig in Blüten vorkommen. Die Wissenschafter beobachteten nun, ob und wie schnell die Bienen den Dummy angriffen und die Feder stachen. Das Ergebnis: Zwei der getesteten Duftstoffe erwiesen sich als Aggressionskiller. Waren diese in der Arena präsent, verhielten sich die Bienensoldaten trotz des Alarmpheromons und des drohenden Dummys friedlich. Sie griffen seltener an als in Versuchen mit nur dem Alarmpheromon. Die gleiche Reaktion riefen die beiden Duftstoffe auch hervor, wenn sie am Flugloch eines Bienenstocks versprüht wurden.

Den Rüssel ausgerollt

«Offenbar haben spezifische Blumendüfte die Fähigkeit, die Reaktion auf das Alarmpheromon zu unterdrücken», konstatieren Morgane Nouvian und ihre Kollegen. Wie sie erklären, kann dies nicht daran liegen, dass der Blumenduft das Pheromon geruchlich übertönt und kaschiert. Denn um das auszuschliessen, hatten die Wissenschafter im Experiment hundertmal mehr Alarmpheromon freigesetzt als den entsprechenden Blumenduft. Stattdessen lösen die beiden Blumendüfte anscheinend widerstreitende Signale im Gehirn aus, wie weitere Versuche enthüllten. Rochen die Bienen nur die Blumendüfte, rollten sie den Rüssel aus. Das ist, wie wenn uns das Wasser im Mund zusammenläuft. Der Geruch der Blüten aktiviert bei den Bienen also den Futtersuch-Modus und macht ihnen Appetit.

Diese Erkenntnisse könnten einen praktischen Nutzen haben. «Weiss man, welche Duftstoffe Bienen friedlich stimmen, dann könnte man dies etwa für schützende Mittel nutzen. Auch Imker könnten von einem solchen Duftstoff profitieren.»

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