Bitte Kinder nicht ins Feuer werfen

Immer wieder muss ich diesen Satz lesen: «Keep away from fire», «Von Feuer fernhalten». Nein, das steht nicht auf meinem Feuerzeug, auch nicht auf der Flasche für den Gasgrill oder dem Benzinkanister für den Rasenmäher. Nein, ich muss das vielmehr auf den Etiketten von Kinderkleidern lesen.

Roger Berhalter
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Für Bettina Kugler (Bild: (21189810))

Für Bettina Kugler (Bild: (21189810))

Immer wieder muss ich diesen Satz lesen: «Keep away from fire», «Von Feuer fernhalten». Nein, das steht nicht auf meinem Feuerzeug, auch nicht auf der Flasche für den Gasgrill oder dem Benzinkanister für den Rasenmäher. Nein, ich muss das vielmehr auf den Etiketten von Kinderkleidern lesen. Als handle es sich um eine ganz normale Verbraucherinformation: «Bitte mit höchstens 40 Grad waschen, bitte nicht bügeln und, ach ja: nicht ins Feuer werfen.»

Ich käme nie auf die Idee, ein Shirt meines Sohnes zu verbrennen. Oder es gleich mitsamt dem Träger zu grillieren. Kinder von Flammen fernzuhalten scheint mir eine natürliche wie vernünftige Verhaltensweise. Wobei ich mir das vorher nie überlegt habe. Erst dieser Satz, der auf scheinbar jedem Baby-T-Shirt prangt, brachte mich ins Grübeln. Muss man Eltern wirklich sagen, sie sollen ihre Kinder nicht ins Feuer werfen? Gab es wirklich solche, die das taten und danach den Kleiderhersteller verklagten? Sind Babykleider derart hochentzündlich? Gehen meine Söhne in Flammen auf, wenn sie zu nahe am Herd stehen? Dürfen sie nie mehr grillieren, nie mehr an den Räbeliechtliumzug? Nie mehr den Adventskranz anzünden, nie mehr Wunderkerzen schwenken? «Keep away from fire», man weiss ja nie?

Aber jetzt im Ernst: Manchmal vermisse ich den gesunden Menschenverstand. Den dürfte man auch noch so übernächtigten Eltern ruhig zutrauen. Die «Fire»-Etiketten schneide ich übrigens regelmässig ab. Ich lasse mich von einem Baby-T-Shirt nicht für dumm verkaufen.

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