Biomedizin als neues Fach

Die Universität Zürich richtet das Studium neu aus – und bildet erstmals Biomediziner aus.

Bruno Knellwolf
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An der Universität Zürich ist die Bologna-Reform in diesem Jahr nun vollends in Kraft. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

An der Universität Zürich ist die Bologna-Reform in diesem Jahr nun vollends in Kraft. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Seit 18 Monaten ist Michael Hengartner Rektor der Universität Zürich, um die es nach dem «Fall Mörgeli» medial wieder ruhiger geworden ist. Für Hengartner ist das sowieso kein Thema. Er hat die Zukunft der grossen Universität mit etwa 26 000 Studenten im Kopf und stellt deshalb an der Jahresmedienkonferenz das «Studium 2020» vor.

Diese Vision hängt damit zusammen, dass der Prozess der Bologna-Reform in diesem Jahr abgeschlossen worden ist. «Jetzt sind wir nur noch mit Bachelor- und Master-Studiengängen unterwegs», sagt Hengartner. Das Lizenziat an der Universität Zürich, an der etwa 3000 Studenten aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell studieren, ist endgültig Geschichte. Die ersten drei Studienjahre gehören zur Bachelor-Stufe, mit dem Bachelor-Abschluss kann danach das Masterstudium angehängt werden. Eingeführt worden seien zudem neue Studienangebote und forschungsnahe Schwerpunkte, besonders auf der Masterstufe. Noch sei die Bologna-Reform aber nicht in allen Köpfen. Zu viele verliessen die Universität bereits nach dem Bachelor-Abschluss in Richtung Wirtschaft, statt den Master anzuhängen. Das sei nicht die Idee von Bologna.

Spezialisierung erst als Master

Deshalb werde die inhaltliche Abgrenzung zwischen Bachelor und Masterstudium nun stärker. Das Bachelor-Studium dient dabei als Grundlage ohne Spezialisierung, diese erfolgt erst im Masterstudium. Der Biologe Hengartner erklärt das am Beispiel des Studiengangs Biologie. «Es gibt nun nur noch einen einzigen Bachelor in Biologie und keinen mehr in Mikrobiologie oder Anthropologie», sagt Hengartner. Die Spezialisierung folgt erst danach. Dann kann der Student zum Beispiel den «Master of Science in Biology, Microbiology» abschliessen.

Der Bachelor-Studiengang werde zum breiten, flexibleren Grundstudium, aus dem heraus der richtige Weg gewählt werden könne. Dafür werden im ersten Semester Assessments durchgeführt, um die Eignung eines Studenten für ein Studienfach besser zu ermitteln. Damit soll die Zahl der Studienabbrüche reduziert werden.

Berücksichtigt worden sei auch der Mobilitätswunsch vieler Studenten. Auch deshalb werde die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten im In- und Ausland verstärkt. «Ein Semester an einer anderen Universität tut jedem gut», sagt Hengartner. Eine weitere Anpassung an ausländische Universitäten wäre zudem die Veränderung der heutigen Studienarchitektur, die aus einem Hauptfach und zwei Nebenfächern besteht. Denkbar sei stattdessen ein Major- sowie ein Minor-Studienprogramm zu belegen.

Bereits 250 Biomediziner

Bereits der Leitlinie des «Studium 2020» folgt ein neu eingeführter Studiengang an der Universität Zürich: Die Biomedizin. «Der Biomediziner arbeitet in der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaft und Medizin», erklärt Carsten Wagner, Co-Leiter des neuen Studiengangs. Ein Biomediziner forscht im Labor oder am Computer, um Krankheiten zu verstehen und Therapien zu entwickeln. So entstehen in Zürich also Biomediziner, die an und bei Universitäten, Fachhochschulen, Biotech- und Pharma-Firmen arbeiten werden. «Bis jetzt machen diese Arbeit vor allem Biologen und ganz wenige Mediziner», sagt Wagner.

In den ersten beiden Studienjahren werden Grundlagen zum gesunden Menschen erarbeitet, im dritten zum Kranken. Im Masterstudium setzt der Student Schwerpunkte: Biomedizin oder Biochemie. Das neue Studium haben diese Woche 250 Studenten begonnen.

Hohe Wertschöpfung der Uni

Die Uni Zürich hat sich nicht nur mit der zukünftigen Studienausrichtung beschäftigt, sondern auch mit der Wertschöpfung. «Was ist der Mehrwert einer Uni?» fragt Hengartner und präsentiert Zahlen. Mit einem Uni-Budget von 1,3 Milliarden Franken erreiche man eine Wertschöpfung von 5,1 Milliarden. Dieses setzt sich zusammen aus den Löhnen und Sachausgaben, dem Wissenstransfer und auch dem Konsum der Studenten in der Universitätsstadt. Die Studie zeige auch, dass Absolventen einer Universität nicht viel mehr verdienten als jene von Fachhochschulen. Das mache das duale Bildungssystem der Schweiz möglich.

«Das sind aber reine Franken-Rappen-Überlegungen. Zweck und Hauptaufgabe der Universität sind es, die nächste Generation von Akademikern auszubilden. Das wird mit dieser Untersuchung nicht beziffert», sagt Hengartner. Auch nicht die an der Universität geleistete Grundlagenforschung, die sich vielleicht erst in zwanzig Jahren rechne, aber jetzt Wissen für die Menschheit generiere.

Michael Hengartner Biologe und Rektor der Universität Zürich (Bild: pd)

Michael Hengartner Biologe und Rektor der Universität Zürich (Bild: pd)