BIENENHONIG: Flexible Arbeitsbienen

Mit einem Computer-Tomographen wurden Bienenvölker gescannt. Forscher vom Institut für Bienengesundheit in Bern zeigen so, dass Bienen verschiedene Techniken verwenden, um Honig zu produzieren.

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen

Computer-Tomographen werden in der Regel dazu genutzt, uns Menschen zu durchleuchten. Michael Eyer vom Institut für Bienengesundheit an der Universität Bern hat zusammen mit einem Forschungsteam von Agroscope mit dem Tomographen untersucht, wie Bienen Honig produzieren. Honigbienen sammeln Nektar von Blumen und konzentrieren den darin enthaltenen Zucker, um Honig zu produzieren. Die Honigvorräte in den Wachswaben ermöglichen es den Kolonien, die Winterzeit zu überleben, wenn keine Nahrung in der Umwelt zur Verfügung steht. Den Honig schätzen auch wir Menschen, trotzdem war über die Honigproduktion der Arbeiterbienen wenig bekannt. Die Forscher scannten darum mit dem Computer-Tomographen ganze Bienenvölker, um die Zuckerkonzentration in den Wachszellen zu messen und sichtbar zu machen.

Zur Honigproduktion fügen die Bienen dem Nektar und dem Honigtau spezifische Enzyme zu und entziehen gleichzeitig das Wasser, um die Zuckerkonzentration zu erhöhen. Damit das Wasser verdunstet, würgen die Bienen Tropfen von Nektar hoch und manipulieren ihn mit ihren Mundwerkzeugen, so dass das Wasser verdunstet und die Zuckerkonzentration ansteigt. Parallel dazu führt die warme Stockluft zu einer passiven Verdunstung des Zellinhaltes. Am Schluss bleibt der Honig.

Verschiedene Helligkeitsmuster

Dank der neuen Röntgenbilder sind verschiedene Helligkeitsmuster während des Reifeprozesses des Honigs zu sehen. Das zeigt nach Eyer, dass die Arbeiterinnen verschiedene Verhaltensweisen benutzen, um Honig zu produzieren. Entweder bemalen Sie die Wände mit Ladungen von hoch konzentriertem Nektar und bilden Ringe, oder sie füllen die Ladungen zufällig in die Zelle rein, was zu einer klumpigen Anordnung führt.

«Diese Methoden führen zum selben Endprodukt. Die Klumpen wachsen während der Reifung, mit der Zeit verschwinden auch die Ringe und es entsteht ein inhomogenes Helligkeitsmuster – nämlich das vom reifen Honig, das überall sehr einheitlich aussieht», sagt der Bienenforscher Eyer.

Er erklärt auch, wie die Imker von diesen Erkenntnissen profitieren können: «Die neue Methode und die vielen Erkenntnisse bilden die Grundlage für weiterführende Experimente. Diese erlauben es, unbekannte Parameter zu identifizieren, die die Honigproduktion durch Bienen beeinflussen.» Das könne zu einer verbesserten Bienenstock-Architektur führen oder zu einer angepassten Bienenhaltung.

Zuwarten mit der Honigernte

Dank des Tomographen habe man herausgefunden, dass die Bienen weiterarbeiten, auch wenn sie die Wabe mit einem Deckel verschlossen haben. «Daher bestätigt sich, dass die Imker mit der Honigernte warten sollten, bis die Mehrheit der Honigzellen verdeckelt ist, um Fermentierungs- und Qualitätsprobleme zu vermeiden». Zusätzlich könne diese Beobachtung der Nektareinlagerung auch für die Forschung an Krankheiten genutzt werden. «Alle Faktoren, die die Honigproduktion und Lagerung beeinflussen, können so studiert werden. Am Zentrum für Bienenforschung haben schon Vorversuche stattgefunden, um die Varroa-Milbe innerhalb der verdeckelten Zellen zu beobachten», sagt Eyer.

Der Mensch nutzt Honig seit 15 000 Jahren. Als Süssmittel, aber auch zur Wundheilung und Bekämpfung von Infektionen. Und das mit gutem Grund: «Es ist wissenschaftlich belegt, dass Honig eine antibakterielle Wirkung hat und die Wundheilung fördert. Diese Fähigkeit leitet sich von der Notwendigkeit ab, dass Honig für die Einlagerung in den Wachswaben im Bienenvolk gegen Fermentierung geschützt sein muss, um ihn langfristig haltbar zu machen», erklärt Eyer.

Übrigens sind nicht der Nektar, sondern Pollen die wichtigste Proteinquelle für Honigbienen. Der Nektar liefert ihnen Zucker für die Muskelaktivität.