Bestseller mit Stilblüten aus der Schulstube

Zwei Wochen auf den Büchertischen und schon ein Bestseller: «Der Hund starb – was er nicht überlebte» belegt auf der Schweizer Bestsellerliste unter den Sachbüchern Platz 1. Man reibt sich die Augen: Es handelt sich um ein Schweizer Buch.

Hansruedi Kugler
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Hansruedi Kugler)

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Zwei Wochen auf den Büchertischen und schon ein Bestseller: «Der Hund starb – was er nicht überlebte» belegt auf der Schweizer Bestsellerliste unter den Sachbüchern Platz 1. Man reibt sich die Augen: Es handelt sich um ein Schweizer Buch. Das Thema tönt blumig: Es sind Stilblüten; die Täter sind unschuldig: Es sind ins Schreiben vernarrte Schülerinnen und Schüler. Ihre gelegentlich unfreiwillig komischen Sprachbilder werden womöglich bald Kultstatus geniessen: «Ich öffnete die Kiste, und ein Buch kullerte hinaus.»

Seit zwanzig Jahren führt die Neue Luzerner Zeitung einen Schreibwettbewerb durch; im «Klub der jungen Dichter» schreiben Schüler von der 5. bis zur 9. Klasse. Über die Jahre sind viele tausend Texte entstanden. Etwa 1000 wurden in der Zeitung publiziert, zur doppelten Freude der Juroren, die neben originellen Texten auch jede Menge schräge Sprachbilder, kreative Orthographie und unvermutete Einsichten zur Kenntnis nahm. Das Vergnügen an den Stilblüten habe ihn gezwungen, seine Bürotüre zu schliessen, schreibt Herausgeber Arno Renggli im Vorwort, «sonst hätten meine Arbeitskollegen ob des Gelächters wohl gedacht, ich sei nun endgültig durchgedreht». Man gibt gerne Entwarnung, hier macht sich keiner über Sprachfehler von Jugendlichen lustig. Die Unschuld der jungen Autoren lässt die Leser entspannt, nicht hämisch, lachen. Zum Beispiel über: «Vor drei Jahren jedoch wendete sich mein Leben um 360 Grad.» Und mit Sympathie liest man: «Die Schlacht von Morgarten endete ohne Zwischenfälle.»