Bessere Wetterprognosen

Wissenschafter behaupten, dass sich Wettervorhersagen mit genaueren Modellen bereits Monate im voraus treffen lassen. Dank Luftdruckunterschieden über dem Atlantik.

Adrian Lobe
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Wie wird das Wetter? Diese Frage beschäftigt die Menschen in gemässigten Breiten ständig. Die Wettervorhersagen werden immer präziser. Durch Fortschritte in der Satellitentechnik und genauere Computermodelle sind Fünftagesprognosen heute genauer als Dreitagesprognosen im Jahre 1980.

Auf Apps oder Online-Diensten lassen sich häufig 10- oder gar 15 Tagestrends lesen. Doch darüber hinaus ist es mathematisch fast unmöglich, das Wetter im Detail (vor allem im Hinblick auf Niederschlag) vorauszusagen. Das Wetter ist ein chaotisches System, das von turbulenten Strömen der atmosphärischen Luftzirkulation abhängt. Die Unsicherheiten steigen mit jedem weiteren Tag. Schon die kleinste Veränderung des Luftdrucks oder der Wassertemperatur kann zu komplett verschiedenen Wetterphänomenen führen.

Britische Meteorologen behaupten nun in einer Studie, dass sich das Wetter Monate im voraus bestimmen lässt – zumindest die Grosswetterlage für die Wintermonate. Der Schlüssel zum Verständnis ist die Nordatlantische Oszillation (NAO). Darunter versteht man in der Meteorologie Luftdruckschwankungen zwischen dem Islandtief und Azorenhoch. «Diese atmosphärischen Zirkulationsstrukturen erklären fast die Hälfte der winterlichen Oberflächentemperaturen», sagt Chris Folland, Professor beim britischen Wetterdienst Met Office.

Wind und Stürme

Sind die Luftdruckunterschiede zwischen den Polen des NAO gross, könne man hohe Windgeschwindigkeiten und Stürme im Winter erwarten. So weit, so einfach. Das Problem ist nur, dass die genaue Grösse und der Ort dieser Unterschiede schwanken. Die Meteorologen konnten in den letzten Jahren keine Regelmässigkeiten feststellen. Wenn man diese Fluktuationen besser vorhersagen könnte, so die Annahme der Forscher, könnte man auch das Winterklima genauer bestimmen.

Arktisches Meer und El Niño

Folland und seine Kollegen versuchten Faktoren zu identifizieren, die einen möglichen Einfluss auf die NAO haben. Das arktische Meer bestimmte die Schwankungen ebenso wie das Wetterphänomen El Niño, so die Vermutung. Auf Grundlage messbarer Indikatoren wie Wassertemperaturen entwickelten die Forscher ein hochkomplexes Computermodell. Die Meteorologen bedienten sich dabei der Methode der «Hindcasts», nachträglichen Voraussagen. Dazu fütterten sie den Computer mit Daten aus den Jahren 1993 bis 2012 und verglichen die Ergebnisse mit dem bekannten Verlauf des Wetters im Winter.

Das Ergebnis: Das Modell stimmte mit Daten der Vergangenheit mit geringen Abweichungen überein. «Wir zeigen, dass die zentralen Aspekte des europäischen und nordamerikanischen Winterklimas und der (Oberflächen)NAO mehrere Monate im voraus prognostizierbar sind», heisst es in der Studie. Das Computermodell namens GloSea5 könnte robuste Vorhersagen des NAO ein bis vier Monate im voraus treffen. Damit wäre das Winterklima berechenbarer.

Gleichwohl werden auch durch präzisere Prognosen Unsicherheiten bestehen bleiben. Einzelne Faktoren wie das Wetterphänomen El Niño unterliegen selbst grossen Schwankungen. «Wir hoffen, dass wir in wenigen Jahren ein verbessertes Modell anwenden können», sagt Folland.