Beischläfer und Partner

Randnotiz

Urs Mattenberger
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«Mann und Weib, und Weib und Mann reichen an die Gottheit an.» So schwärmt Mozarts «Zauberflöte» noch vom idealisierten Eheglück. Seit der Legalisierung des Konkubinats (zuletzt im Wallis 1995!) und steigenden Scheidungsraten werden dagegen aus Paaren zunehmend Partner. Wie zweischneidig das neue Allerweltswort für Paarbeziehungen ist, zeigen Prominenten-Empfänge wie jüngst beim Lucerne Festival. Auch da erscheinen viele Gäste «mit Partner». Und das ist das selbe Wort, das Veranstalter für ihre Sponsoren verwenden. Sind Paarbeziehungen nur noch ein Geschäftsmodell?

In Internetforen zeigt sich, dass vielen der Teenager-Begriff «Freund» ab 40 als zu austauschbar erscheint. Im «Lebenspartner» verbirgt sich ein Rest von Ehe-Pathos. Der zeitlich limi- tierte «Lebensabschnittspartner» entzaubert die Mann-und-Weib-Utopie doch etwas arg und beraubt sie aller Erotik, auf die das Wort «Konkubinat» (frz. «concubin»: Beischläfer) fokussiert.

Immerhin kann man von der Ökonomisierung, für die «Partnerschaften» stehen, auch etwas lernen. Bei Anwaltskanzleien, die ihre Partner im Namen führen, bestimmen klare Regeln, wann ein «associate» zum Partner werden kann. Dafür lassen sie sich bis acht Jahre Zeit – mehr, als viele Paare vor der Heirat. «Partner werden ist fast wie heiraten», sagt denn auch ein Insider. Bleibt der Trost, dass die Ehe, wenn nicht als Realität, aber doch als Massstab selbst da intakt bleibt.

Urs Mattenberger