BEI BEFRUCHTUNG VERWECHSELT: Suche nach leiblichen Eltern nun vor Gericht

Kristina V. wurde bei der künstlichen Befruchtung verwechselt. Auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern verlangt die heute 26-Jährige aus Arbon vor Gericht Unterlagen von Fortpflanzungsmediziner

Christiane Eckert/Feldkirch
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Kristina V. kämpft bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern vor Gericht um Einsicht in die Akten ihres Arztes. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Kristina V. kämpft bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern vor Gericht um Einsicht in die Akten ihres Arztes. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Eines steht fest: Die 26-Jährige ist nicht die Tochter jener Eltern, die sie lange zu sein glaubte. Sie ist nachweislich mit ihren Eltern genetisch nicht verwandt. Kristina V. - sie wohnt heute in Arbon - entstand "im Reagenzglas" im Wege der künstlichen Befruchtung. Damals war die In-vitro-Fertilisation noch in den Anfängen, heute gilt das, auf künstliche Befruchtung spezialisierte Ambulatorium von Herbert Zech in Bregenz mit mehr als 40 Mitarbeitern zu den versiertesten seiner Art. Auf Grund diverser Tests ist sicher, die junge Frau muss verwechselt worden sein. Da weder Vater noch Mutter übereinstimmen, muss entweder im Ambulatorium eine Verwechslung stattgefunden haben oder später im Krankenhaus.

„Es gibt keine andere Möglichkeit“, so Richterin Birgit Vetter. „Doch, aber wir haben auch unsere Geheimnisse“, so Beklagtenvertreter Michael Konzett. Er will zu gegebenem Zeitpunkt darlegen, was er damit meint. „Aber was ist mit dem Haftungsanerkenntnis?“, will Andreas Ermacora, Anwalt von Kristina V. wissen. „Darin steht doch, dass man bedauere, dass auf Grund eines Fehlers fremde Eizellen eingesetzt wurden!“, hakt Ermacora nach. Doch die Gegenseite relativiert: „Wir bedauern den Fehler, wenn es überhaupt unser Fehler war“. Welche Fehler noch in Betracht kommen, wird also noch diskutiert werden. An die zehn Personen werden notiert, die zu der Causa „Kindesverwechslung“ etwas wissen oder bezeugen sollen.

Viele offene Fragen

10.000 Euro hat Kristina V. für Spesen Aufwendungen von dem Mediziner erhalten. Prozesse der Mutter und der Schwester sind anhängig. Denn auch bei der, in derselben Einrichtung gezeugten Schwester ist klar, der Vater ist nicht der genetische Vater. Auch hier stimmt also etwas nicht. Es gehe ihr nicht um Geld, sie wolle ihre leiblichen Eltern kennen lernen, beharrt die junge Frau höflich, aber bestimmt. Die Richterin lenkt die Diskussion wieder auf die wesentlichen zwei Fragen: Erstens – gibt es eine rechtliche Verpflichtung zur jahrzehntelangen Aufbewahrung der Daten? Und zweitens – Gibt es diese Daten überhaupt noch? Spezialnormen wie Spitalgesetz und Fortpflanzungsmedizingesetz stehen im Raum. Den Vorwurf, sie würde das medizinische Zentrum in den Medien bewusst bloß stellen, weist die 26-Jährige zurück. Dass es für potentiell in Frage kommende Elternpaare eine Zumutung und eine Belastung ist, nochmals so weit zurück zu schauen, weiß das Gericht. „Hier wird man zweifellos eine Interessensabwägung treffen müssen“, so die Vorsitzende. Im Juli geht der Prozess voraussichtlich weiter.