Befreiung der Achselhaare

Um zu protestieren, braucht es nicht zwingend Transparente und Demonstrationen. Performancekünstlerin Marina Abramovic beweist das immer wieder. Ihr Körper ist ihr Transparent.

Diana Bula
Drucken
Teilen

Um zu protestieren, braucht es nicht zwingend Transparente und Demonstrationen. Performancekünstlerin Marina Abramovic beweist das immer wieder. Ihr Körper ist ihr Transparent. Schon 1975 bürstete sie sich in einem Kunstvideo die Haare so heftig, dass der Zuschauer glaubte, selber zu spüren, wie es ziept. Damit protestierte Abramovic gegen das Schönheitsideal in der Kunst. Diese hatte damals ausschliesslich adrett zu sein.

Heute protestieren Frauen gegen das menschliche Schönheitsideal. Hübsch ist, was unbehaart ist. Nach Achsel-, Bein- und Schamhaaren müssen deshalb auch jene im Gesicht verschwinden. «Dermaplaning» heisst diese Art der Rasur, die aus Japan stammt. Frau geht also wie Mann zum Barbier und verspricht sich davon feinere Haut und jüngeres Aussehen.

Seit dem Ende der Hippiezeit schon zeigt die haarige Kurve nach unten. Bald könnte sie wieder nach oben führen. Gegnerinnen des Aalglatt-Trends setzen wie Abramovic auf ihren Körper – und auf Natur pur. Sie treten dem digitalen «Hairy legs club» bei und posten auf der gleichnamigen Homepage Bilder von stoppeligen Ober- und Unterschenkeln. Und seit US-Hairstylistin Roxie Hunt ihrer Kollegin die Achselhaare gefärbt und Fotos des Experiments gebloggt hat, tragen einige Frauen unter den Armen nun bunt. Die Ergebnisse laden sie unter dem Hashtag Freeyourpits ins Netz. Sehr beliebt sind Grün, Pink und Gelb. Und nicht selten erlebt Mann sein blaues Wunder.