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BAD RAGARTZ: Die Meister der Silhouette

Eine Tonne Eisen verarbeiten Markus Graf und Gabriel Mazenauer zu einer riesigen Plastik. Sie wird an der kommenden Triennale der Skulptur auf die Sprache der Berge antworten.
Dieter Langhart
Gabriel Mazenauer (l.) und Markus Graf arbeiten an ihrer Eisenplastik «Silhouette» . (Bild: Donato Caspari)

Gabriel Mazenauer (l.) und Markus Graf arbeiten an ihrer Eisenplastik «Silhouette» . (Bild: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Die Schleifmaschine sirrt und die Funken stieben und der Fotograf weicht zurück. Und ohne Lederschurz könnte es heikel werden für Markus Graf. In seiner Werkstatt auf dem Frauenfelder Walzmühle-Areal arbeiten er und ­Gabriel Mazenauer an der «Silhouette». Mit diesem gemein­samen Projekt sind der Eisenplastiker Graf und der Bildhauer Mazenauer aus Wigoltingen an die Bad Ragartz 2018 eingeladen worden, der siebenten Triennale der Skulptur im Rheintal. Achtzig Künstler sind in die Ränge gekommen, über 2000 hatten sich beworben.

Und aus sieben Segmenten, aus sieben unterschiedlichen ­Bögen wird die Skulptur bestehen. Sie geben die Form vor: eine Silhouette, die sich vor der Kulisse des Rätikons aufschwingt, eine moderne Antwort auf die Sprache der Berge, die schon ­immer dagestanden sind.

Zusammenschweissen, trennen, zusammenbauen

Die sieben Segmente haben auch praktische Gründe, denn die Skulptur wiegt knapp eine Tonne, ist dreizehn Meter lang und sechs Meter hoch. Unmöglich, sie an einem Stück aus dem Thurgau nach Bad Ragaz zu transpor­tieren. Markus Graf und Gabriel Mazenauer werden die fertige Skulptur mit zwei Schnitten nochmals trennen und die drei Teile vor Ort zusammenschweissen. Ein Kran hievt sie sodann auf zwei Betonfundamente, da wird sie festgeschraubt.

«Ich habe schon ruhiger geschlafen», sagt Markus Graf, ­dieser Mann mit den kräftigen Händen seit seiner Lehre als Schmid. Das habe auch mit Verantwortung gegenüber den Be­suchern der Freiluftausstellung zu tun. Graf erinnert sich nur zu gut an das Unwetter am Untersee, das kürzlich mächtige Bäume aus dem Boden gerissen hat. Deshalb haben Esther und Rolf Hoh­meister, die Organisatoren der Bad Ragartz, auch eine Versicherung abgeschlossen, die zehnmal höher ist als das Budget. «Bad Ragartz ist sehr kulant», sagt Graf, «sie holen alle Werke ab, egal wo, und bringen sie auch ­zurück.»

Erst die Kartonlehren, dann das Eisen

Die Statik muss also stimmen – für die Skulptur als Ganzes und für die Kräfte, die an jeder Knickstelle wirken. Urs Kern aus Frauen­feld hat ebenso die Kräfte des Windes einberechnet, der gern und heftig durchs Rheintal bläst. Und die Fundamente müssen dem Zug standhalten: zweimal zwei Kubikmeter Beton, drauf die Eisenplatten mit ganz dicken Bolzen. Immerhin ist die Skulptur nicht aus massivem Eisen, sondern hohl; sonst wäre sie ungleich schwerer.

Das Rohmaterial, sechs auf zwei Meter messende Eisenblechplatten, ist von Keller-Stahl angeliefert worden; seit März arbeiten Graf und Mazenauer am ersten Segment ihrer «Silhouette». Erwähnen die riesigen Kartonlehren. Erklären, wie sie die vier gekrümmten Blechstreifen zu einem krummen Vierkantrohr gefügt und innen alle 60 Zentimeter Rippen platziert haben, die der Aus­steifung dienen und Kondenswasser abführen. «Hunderttausend Schraubzwingen haben wir gebraucht», sagt Graf und zwinkert. Genau müssen sie messen, zuschneiden und schweissen. Und noch präziser muss die Fase sein: da, wo das nächste Segment hinkommt. Erstaunlich die Genauigkeit, die auch eine Grossskulptur fordert. «Jeder Fehler multipliziert sich», sagt Graf.

Erste Zusammenarbeit bei Kunstthurgau 2015

Im Raum nebenan, in Grafs Büro, steht die kleine, handliche «Silhouette» neben Modellen früherer Werke. Etwa dem Stamm, aus dem gut ein Dutzend Äste wachsen – ihre gemeinsame Arbeit für die Jubiläumsausstellung von Kunstthurgau Ende 2015. Markus Graf hat bereits an der Bad Ragartz 2015 teilgenommen, für Gabriel Mazenauer ist es das ­erste Mal. «Unsere Silhouette hat etwas Tänzerisches», sagt er.

Bad Ragartz: 5.5. bis 4.11. 2018. Bis zur Eröffnung: «Promenade der Skulpturen» mit Werken von zehn Künstlern auf dem Taminadamm. Infos: badragartz.ch gabrielmazenauer.ch grafmarkus.ch

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