Backen wird zum britischen Quotenrenner

Bäcker sind derzeit die grössten Fernsehstars in Grossbritannien. Mit «The Great British Bake Off» haben sie zwölf Millionen Zuschauer vor den Fernseher gelockt. Dank der Sendung backen die Briten plötzlich wieder selbst. Auch Stricken und Nähen sind ein neuer Trend.

Meike Stolp/London
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Pink cupcake decorated with chocolate stars (Bild: Ruth Black (12612957))

Pink cupcake decorated with chocolate stars (Bild: Ruth Black (12612957))

Das Konzept der Fernsehsendung klingt zunächst wenig spannend: Ein Dutzend Amateurbäcker aus allen Altersschichten treten gegeneinander an, um so etwas wie der Fernseh-Amateurbäcker des Jahres zu werden. Gebacken wird alles, was die britische Backkunst hergibt. Moderiert wird das von einer adretten 79-Jährigen und einem männlichen Profibäcker. Doch was langweilig klingt, ist – nach den Sportsendungen – die quotenmässig erfolgreichste Sendung in der britischen Fernsehlandschaft.

Nur beim Sport sehen mehr zu

Zwölf Millionen Menschen haben den Final von «The Great British Bake Off» gesehen. Das ist etwa ein Sechstel der Bevölkerung, die eingeschaltet hat, um drei Finalisten beim Wettbacken vor dem Fernseher anzufeuern. Ein Ableger der Sendung, der Nähwettbewerb «The Great British Sewing Bee», schaffte es immerhin auf 2,5 Millionen. Stricken hat zwar noch keine eigene Fernsehsendung, doch laut der britischen Strickgesellschaft gab es 2013 erstaunliche 7,2 Millionen Briten, die diese Handarbeit als Hobby hatten.

«Die Zuschauer können sich damit identifizieren», erklärt Mary Berry, die «Bake Off»-Moderatorin, im Interview mit dem Magazin «Radio Times». «Die Menschen in der Sendung könnten ihre Schwester, ihr Sohn oder ihr Nachbar sein. Die Öffentlichkeit identifiziert sich mit den Teilnehmern und will deren Tätigkeit bis zum Ende verfolgen.» Zudem, findet die britische Fachfrau fürs Backen und Kochen, bringe die Sendung Generationen zusammen. «Zwei junge Männer kamen aus einem Pub und fragten, ob sie ein Foto mit mir machen können. Sie waren um die 20.»

Briten backen wieder

«The Great British Bake Off» wird zugeschrieben, mehr oder weniger im Alleingang das Interesse der Briten am Backen wiedererweckt zu haben. Supermärkte verzeichnen seit Beginn der Sendung 2010 einen Anstieg an verkauften Backutensilien. Das traditionsreiche Women's Institute, Grossbritanniens Landfrauenorganisation, hat 2013 ebenfalls bemerkenswerte Zahlen vorgelegt, die im Zusammenhang mit dem neuen Handarbeitstrend stehen: 22 600 neue Mitglieder wurden 2012 aufgenommen. Mit 211 000 insgesamt ist das die höchste Mitgliederzahl seit den 70er-Jahren.

Die britische Gesellschaft für Handarbeit und Hobby kann den Trend bestätigen: Sendungen wie «The Great British Bake Off», erklärt Craig De Souza von der Crafts and Hobby Association, hätten einen enormen Einfluss, «weil sie gezeigt haben, wie einfach es ist, zu Hause etwas herzustellen und keine Angst zu haben, etwas auszuprobieren.» Er sieht den Handarbeitstrend auch im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage im Königreich. Denn die Arbeitslosigkeit sinkt zwar zurzeit in Grossbritannien, doch die Löhne steigen nicht – was die finanzielle Freiheit vieler Briten einschränkt. Auch deshalb, denkt De Souza, machen einige der Amateurhandarbeiter aus ihrem Hobby inzwischen einen Beruf, «viele Handarbeiter können auf diese Weise etwas dazuverdienen, indem sie ihre Waren zu Hause oder online anbieten».

Deutsche Version der Sendung

Darunter auch einige der Amateurbäcker aus dem Fernsehen: Einige haben einen Laden eröffnet, andere geben nun Backbücher heraus. Die 22jährige Ruby Tandoh, Finalistin 2013, schreibt gar Kolumnen für die renommierte Tageszeitung «The Guardian».

In Deutschland ist der Ableger «Das grosse Backen» auf Sat.1 zwar kein Quotenkracher, aber durchaus erfolgreich. Ab 26. November gibt es ab 20.15 Uhr deshalb vier neue Folgen.

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