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Babies aus dem Baukasten

Ein New Yorker Start-up kreiert auf Grundlage genetischer Informationen Tausende digitaler Embryonen. Die Technik soll erblich bedingten Krankheiten vorbeugen.
Adrian Lobe

Viele Menschen wünschen sich sehnlichst ein Kind. Doch wenn der Mann unfruchtbar ist, führt der Weg nicht selten zu einem Samenspender. Doch wer ist dieser unbekannte Spender? Leidet er etwa unter einer Krankheit, die in Verbindung mit dem Genom der Mutter an das Kind vererbt wird?

Das New Yorker Start-up GenePeeks bietet seit neuestem eine «Dienstleistung» an, bei der die genetischen Kombinationen im Vorfeld einer künstlichen Befruchtung simuliert werden. Die Technik – «Matchtright» genannt – gleicht die DNA des Spenders mit jener des Empfängers ab und spielt virtuell alle vorstellbaren Varianten durch. Durch die Tests lassen sich diejenigen Kombinationen ausschliessen, bei denen ein hohes Risiko für genetische Komplikationen bestehe, schreibt GenePeeks.

Heutzutage gibt es zahlreiche Internetdatenbanken, auf denen private Samenspender registriert sind. Durch ein paar Mausklicks kann man sich den gewünschten Spender aussuchen. Grösse, Haarfarbe, Bildung. Aber nicht die Gesundheit des Spenders. Das Problem liegt auch nicht beim Spender, sondern in der Kombination mit der Empfängerin. Es gibt Hunderte vererbbarer Krankheiten, doch die Zahl der daran erkrankten Menschen ist mit vier Prozent gering. Diese dominant vererbbaren Krankheiten werden durch Mutationen an einem einzigen Gen hervorgerufen. Eine Person ist aber nur dann davon betroffen, wenn sie zwei defekte Gene erhält – eines von jedem Elternteil.

Öffentliche Datenbanken

An diesem Punkt setzt GenePeeks an: Die Software simuliert den Prozess der Rekombination für jeden Spender 10 000mal. Dazu greift das System auf öffentliche Datenbanken zurück, die bereits bekannte Mutationen von Krankheiten auflisten – Big Data.

Die Algorithmen puzzeln die perfekte Kombination zusammen. «Ihr massgeschneiderter Katalog filtert unsere Spenderübereinstimmungen mit einem genetischen Profil», heisst es weiter. Für die Gewissheit, dass das eigene Kind ohne erblich bedingte Krankheit auf die Welt kommt, verlangt GenePeeks 1995 Dollar.

«Das Angebot denkt die aktuellen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin konsequent weiter», sagt Nikola Biller-Andorno, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik an der Universität Zürich. «Je mehr die menschliche Fortpflanzung kontrollierbar wird, desto mehr stellt sich allerdings die Frage, nach welchen Kriterien man auswählen darf oder ob es gar eine moralische Verpflichtung zu einer negativen oder positiven Auswahl gibt.»

Nicht verboten

Grundsätzlich ist die Samenzellspende in der Schweiz nicht verboten. «Die Technik wäre meines Erachtens zulässig, wenn dadurch die Übertragung einer schweren, unheilbaren Krankheit verhindert werden kann», sagt Biller-Andorno.

Zwar wird bei GenePeeks der Bezug auf den Wunsch nach einem gesunden Kind betont, doch liegt nach Einschätzung von Biller-Andorno die Möglichkeit einer Ausweitung nahe – zum Beispiel, den Spender so zu wählen, dass das Kind den sozialen Eltern möglichst ähnlich sieht. «Das Patent der Firma scheint bereits eine Vielzahl nichtmedizinischer Kriterien einzuschliessen», konstatiert Biller-Andorno. Also nicht nur jede Krankheit, sondern auch jedes sonstige Merkmal, das eine genetische Komponente hat.

Der Bioethik-Professor Markus Rothhaar von der Katholischen Universität Eichstätt hält die Methode für bedenklich: «Bei GenePeeks geht es primär um den Ausschluss von Samenspenden, die dazu führen könnten, dass der erzeugte Embryo eine schwerwiegende Erbkrankheit aufweist. Das hat mit Designer-Babies noch nichts zu tun. Die eingesetzte Technik könnte im Fall einer Weiterentwicklung allerdings durchaus dazu eingesetzt werden.»

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