Ave Caesar anstatt Bingo

Der Prinzessin einen Liebesbrief senden, die Karte mit antiken Symbolen vollkriegen oder würfeln und ankreuzen – eine Reihe neuer Spiele übernimmt zwar Mechanismen von Klassikern, bereichert diese aber durch Entrümpelung.

Hendrik Breuer
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Selten hat Bingo so viel Spass gemacht und war so strategisch wie bei Augustus – dem Bingo mit Römern. (Bild: Hendrick Breuer)

Selten hat Bingo so viel Spass gemacht und war so strategisch wie bei Augustus – dem Bingo mit Römern. (Bild: Hendrick Breuer)

Mit allseits bekannten, aber banalen Spielen wie Yatzy oder Bingo kann man heutzutage niemanden mehr begeistern. Diese Spiele beruhen auf Glück, und die Würfel fallen, wie sie fallen. Einfluss auf das Spielgeschehen hat man nicht. Immerhin eine gute Seite haben die Klassiker: Jeder kennt die Regeln.

Entrümpelte Klassiker

In diesem Jahr sind nun aber wieder einige neue Spiele auf den Markt gekommen, die sich bekannte klassische Spiele und deren Spielmechanismen vorgenommen und diese regelrecht «entrümpelt» und zu spannenden Angelegenheiten gemacht haben. Qwixx etwa ist ein Spiel, das mit nur sechs Würfeln und einem Ankreuzblock auskommt – die Parallelen zu Yatzy sind unverkennbar. Allerdings trifft man bei Qwixx wesentlich mehr echte Entscheidungen und guckt den anderen nicht beim Spielen zu, wenn sie am Zug sind.

Zwei der Würfel sind weiss, die anderen rot, gelb, grün und blau. Man würfelt mit allen sechs und addiert zuerst die beiden weissen, die nun jeder Spieler einmal auf seinem Zettel ankreuzen darf. Auf jedem dieser Zettel gibt es vier Zahlenreihen von zwei bis zwölf, eine in jeder Farbe. Hat man eine Zahl angekreuzt, darf man nur noch rechts davon weiterspielen. Demnach werden nach einer roten Vier nur noch die Fünf oder höhere Zahlen angekreuzt. Der aktive Spieler kann noch eine zweite Zahl ankreuzen, nämlich einen der farbigen Würfel, addiert mit einem der weissen. Punkte gibt es für die meisten Kreuze, und ein Sieger steht so schnell fest, dass man sofort noch einmal spielen möchte.

Das Spiel harmoniert mit Bier

Der Clou an Qwixx: Jeder Spieler ist immer involviert, da man auch aktiv entscheidet, ob man ankreuzen möchte, wenn andere gewürfelt haben. Das Spiel ist natürlich voll partytauglich, denn auch nach ein paar Bierchen geht es noch immer leicht von der Hand.

Simpel, aber spannend

Immer komplett in ein Spiel involviert zu sein, keine ruhige Minute zu haben, kennt man bereits vom Klassiker Bingo. Ständig werden Zahlen verlesen, die für alle gelten. In Augustus – aus dem Schweizer Verlag Hurrican – hat man jetzt die Zahlen durch antike Symbole ersetzt. In diesem Spiel versuchen wir, zum mächtigsten Feldherrn im alten Rom aufzusteigen und möglichst viele Länder in Besitz zu nehmen, was in diesem Fall bedeutet, dass wir die gezogenen Symbole auf ausliegenden Karten abtragen.

Ist eine Karte voll, rufen wir «Bingo», beziehungsweise «Ave Caesar», und erhalten Punkte und Privilegien. Hat ein Spieler sieben Karten beisammen, ist das Spiel auch schon zu Ende.

Der Ablauf von Augustus ist simpel, doch aufgrund einiger interessanter Kniffe ist das Spiel äusserst spannend. Hat man etwa eine Karte voll, wird man vor eine Reihe von kurzen, aber folgenschweren Entscheidungen gestellt: Nimmt man seine Extrapunkte jetzt mit oder hofft man lieber darauf, später noch mehr zu erreichen? Zieht man lieber eine schwierige Karte oder doch eine leichte? Zudem gibt es noch einige Extrafähigkeiten, die man erwerben kann. Augustus ist ein schönes Familienspiel, bei dem auch Kinder ab acht Jahren und ältere Verwandte gut mitmischen können.

Love Letter ist ebenfalls ein Spiel, bei dem die gesamte Familie ihr Glück mit romantischen Zeilen versuchen kann.

Spiel mit Suchtpotenzial

Der Spieler «verliebt» sich nämlich unsterblich in eine Prinzessin, doch die schliesst sich in einen Turm ein. Gelangt der Liebesbrief bis zur Angebeteten? Das Spiel besteht aus nur sechzehn Karten, die unterschiedliche mittelalterliche Charaktere zieren, vom Wachposten bis zum König. Jeder Spieler hat nur eine Karte auf der Hand, zieht – wenn er an der Reihe ist – eine zweite nach und spielt sofort eine der beiden wieder aus. Jede Karte lässt einen eine Aktion ausführen. Diese wiederum hilft herauszufinden, welche Charaktere die anderen Spieler in der Hand halten. Ist ein Spieler enttarnt, scheidet er aus. Spiele dauern mitunter vier, fünf Minuten, und es gewinnt, wer vier Spiele für sich entschieden hat. Love Letter ist ein herausragendes kleines Kartenspiel, das süchtig macht wie wenig andere Spiele. Diese Karten sollte jeder Spiele-Fan einmal in die Hand nehmen.

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