AUSSTELLUNG: Farben, Formen, Fredi

Der Frauenfelder Fredi Bissegger trägt fast immer Schwarz – die Farbe steckt er in seine ­abstrakten ­Bilder. Doch halt – da schwirren auch Mauersegler und Schwalben in Kohle und Tusche.

Dieter Langhart
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Fredi Bissegger vor seinem Bild «Magenta/Zinnober» aus dem Jahre 2004. (Bild: Dieter Langhart)

Fredi Bissegger vor seinem Bild «Magenta/Zinnober» aus dem Jahre 2004. (Bild: Dieter Langhart)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

So steht es geschrieben: «fredi /alfred / fred / freddy bissegger. zeichnung. malerei. computer-drucktechnik. installation. video. fotografie. skulptur. bücher.» So karg sich Fredi Bisseggers Webauftritt gibt, so farbenfroh ist die Werkschau, die ihm der Kunstverein Frauenfeld ausrichtet. Ganze vier Jahrzehnte deckt sie ab, vierzig Jahre unermüdlichen Schaffens des 1952ers.

Die Auswahl sei schwierig gewesen, hiess es an der Vernissage. Keine Zeichnungen, kein eigentlicher Querschnitt, dafür Aufzeigen der Konstanten in Fredi Bisseggers Werk, der bereits 1989 und 2004 im Kunstverein zu sehen war. Die wichtigste Konstante ist die Faszination für die Farbe. Sie ist auch die offensichtlichste beim Rundgang durch die Ausstellung.

Max Bill kauft einen blauen Bissegger

Und der Gang durch die neu fünf Räume des Kunstvereins belegt, wie vielseitig dieser Künstler ist, wie vielfältig er sich ausdrückt, formal wie technisch. Solche Eigenständigkeit erfordert Mut, ein Leben ganz in der Kunst.

Der erste Raum ist seinem Lieblingsvogel gewidmet, dem Spir. Überlebensgross hat Fredi Bissegger ihn mit Kohle und Tusche auf Papier oder Tyvek-Vlies gebannt; manchmal kommt Farbe hinzu, und in «1000 Schwalben» fliegt ein ganzer Schwarm. «Es geht ums Schauen», sagt Fredi Bissegger. Er sehe Figuren auch in Strukturen und Oberflächen. «Ich komme vom Figürlichen her, jetzt bin ich bei der x-fachen Reduktion angelangt.»

Viel Blau im nächsten Raum. Es erinnert an die Ausstellung «Blues» 1989, für die der Kunstverein in den Shed im Eisenwerk auswich. «Max Bill sah sie sich an. Und kaufte ein Bild.» Bissegger erwähnt auch Mark Rothko, der beim jungen Maler bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Bissegger erzählt mit einer besonderen Mischung aus Schalk und Ernst; sein Blick ist wach und durchdringend. Er zeigt auf «dusiehstwasdubist» in tiefem, fast stofflichem Blau. «Da ist ein Göppel drin versteckt.»

Unbändiges Spiel mit Farbe und Form

Viel Asche als Malgrund: Mischtechnik im dritten Raum, der sich rot, braun, gelb, grün, blau gibt. Bissegger als unerbittlicher Farbensucher auch in Raum 4: Zahlreiche kleinere Werke in Acryl auf selbstgefertigten Sperrholzrahmen (er arbeitete lange als Werklehrer) und, allein an einer Wand, dieses wuchtige, in sich ruhende Bild: «Magenta/Zinnober».

Im Foyer eine zwei auf zwei Meter messende Komposition und im letzten Raum vier feingliedrige Farbfeldmalereien, die wie urbane Landschaften wirken. Einmal sind die Felder rasiermesserscharf abgetrennt, dann wieder mit weichen Kanten versehen. Das ist die zweite Konstante bei Fredi Bissegger: sein unbändiges Spiel mit der Form.

Bis 22.10. Bernerhaus, Bankplatz Sa 10–12 und 14–17, So 14–17 Uhr kunstverein-frauenfeld.ch fredibissegger.ch