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AUSSTELLUNG: Auspuff wird zur Shisha

BGL nennen sich die drei kanadischen Künstler, welche die Vergangenheit der Kunsthalle Arbon als Blaupause nutzen. Sie stellen Autos auf den Kopf oder packen sie in Pizzakartons ein.
Dieter Langhart
Lustvolle Weltsicht: Nicolas Lavaredière, Jasmin Bilodeau und Sébastien Giguère bespielen die Kunsthalle Arbon. (Bild: Nguyen Thi My Lien)

Lustvolle Weltsicht: Nicolas Lavaredière, Jasmin Bilodeau und Sébastien Giguère bespielen die Kunsthalle Arbon. (Bild: Nguyen Thi My Lien)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Als röche es noch nach Metall und Öl und Abenteuer. Alles ist, wie es einst war in der ehemaligen Blechpressfabrik, nur die Saurer-Lastwagen fehlen, die manchmal aus dem Oldtimermuseum heraus und hier durchfahren müssen. Oft schon ist die Oberlichthalle mit Kunst bespielt worden, aber noch selten mit so viel Bezug zum Ort und mit einer unbändigen Lust am Fabulieren, Tüfteln, Querdenken.

Jasmin, Sébastien und Nicolas heissen die drei Künstler, die sich vor gut zwanzig Jahren beim Kunststudium kennen gelernt haben und seither als BGL auftreten. Das Kürzel steht schlicht für ihre Nachnamen: Bilodeau, Giguère, Laverdière.

Ihre Kunst ist wie Jazzmusik

Schlicht wirken ihre Objekte und Installationen aber nur auf den ersten Blick. In manchen steckt viel Tüftelei drin, Nachdenken über die Umsetzung ihrer oft leicht subversiv wirkenden Ideen. «BGL war ein Wagnis für uns», sagt Inge Abegglen für das Team der Kunsthalle Arbon. Bekannt waren ihnen BGL von der Biennale in Venedig 2015 her; da hatte das Trio den kanadischen Pavillon mit Diamanten oder einer Kügelibahn bespielt und Aufsehen erregt. «Sie wissen, was sie wollen, und sie sind kreativ.»

Hier ist der Abdruck einer Bananenschale in den Boden eingelassen, da ein Ölfleck am Boden. BGL haben ihn fotografiert, auf Folie gedruckt, in feine Streifen geschnitten – und als leicht dreidimensionales Objekt mehrfach ausgelegt. Auch die Backsteinmauer gleich beim Eingang besteht aus schmalen Lamellen aus bedruckter Folie, dito die Autobahntafel, die Arbon und Québec vereint. Was die Halle dominiert, sind zwei Schrottautos. Das eine haben BGL mit zerschnittenen Pizzakartons eingepackt, das andere auf die Seite gekippt und die Sitze zur gemütlichen Polstergruppe drapiert. Da lässt sich Shisha aus dem Aufpuff rauchen und über Gott und die Welt reden. Diese Welt, die sich für Bilodeau, Giguère und Laverdière um das Auto dreht und nicht um die Sonne. BGL stellen unsere Wahrnehmung und unsere Überzeugung gleichermassen in Frage. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern humorvoll und augenzwinkernd. Raffiniert, fast subversiv spielen sie mit dem Wirklichen und dem Vermeintlichen. Auf ihren Zugang angesprochen, sagen die Künstler: «It’s like jazz.» Und diese Musik enthalte «ganz viel Improvisation und Intuition». Also die grosse Geste und das minutiöse Detail.

BGL: Mini-Zeitgeist, Kunsthalle Arbon, Grabenstrasse 6; bis 24.9. Fr 17–19, Sa/So 13–17 Uhr Führungen: Sa, 2./16.9., 16 Uhr

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