Aussteigen und einfach loslaufen

Beda Hanimann
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Am liebsten wandere ich so los, wie ich gerade unterwegs bin. Im Jackett, mit gewöhnlichen Halbschuhen. Ich rede nicht von Bergtouren, den Wandergenuss messe ich nicht in Höhenmetern. Und oft komme ich ins Wandern, ohne dass es eigentlich geplant war. Ich sitze im Zug oder Bus, auf dem Heimweg von einem Geschäftstermin oder einem Ausflug – und plötzlich überkommt mich die Lust, einige Schritte zu machen. So bin ich schon mitten im Niemandsland des Berner Mittellandes, in Bätterkinden, ausgestiegen und losmarschiert. Oder ich bin kurz entschlossen in Lommiswil, noch hoch über Solothurn, an die Luft gestürmt, weil der Abend einfach zu schön war, um nur noch im Zug zu sitzen. Aber ich fahre natürlich auch gezielt los, um zu wandern. Von Schmerikon dem See entlang nach Rapperswil. Von Olivone das Bleniotal auswärts, von Dorf zu Dorf, bis ich in Biasca bin. Oder von Laupen im Bernischen über die Hügel und am Schiffenensee vorbei nach Murten.Von diesen Wanderungen trage ich stets wunderbare Bilder und Eindrücke mit nach Hause (manchmal auch eine Flasche Eigenbrand aus einer Landbeiz). Und noch etwas bringe ich mit, das mich mit Freude erfüllt: den Staub und die Erde dieser unterschiedlichen Landschaften. Sie sind mir mindestens so wertvoll wie den Raumforschern damals der Mondstaub. Natürlich analysiere ich den Solothurner, den Basler oder Tessiner Staub nicht. Aber nach einer Wanderung die Schuhe zu putzen, kostet mich jedes Mal Überwindung, die ich deshalb während Tagen vor mir herschiebe.

Beda Hanimann