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ARTENSCHUTZ: Robbenjagd trotz Verboten

Eine kleine Schweizer Organisation hat entscheidenden Anteil am Importverbot für Robbenprodukte in der Schweiz wie auch in der EU. Kanada zeigt sich vorderhand unbeeindruckt.
Hans Peter Roth
Das Töten von Robbenbabys hat in Kanada dieses Jahr noch früher begonnen. (Bild: Fondation Weber/PD)

Das Töten von Robbenbabys hat in Kanada dieses Jahr noch früher begonnen. (Bild: Fondation Weber/PD)

Hans Peter Roth

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@tagblatt.ch

«Was ich bei meinen Beobachtungen auf Neufundland zu sehen bekam, übertraf meine schlimmsten Befürchtungen.» Vera Weber spricht von der alljährlichen Robbenjagd in Kanada. 2006 und dann erneut in den Jahren 2011, 2012 und 2013 reiste die Präsidentin der Fondation Franz Weber (FFW) jeweils im April an die kanadische Ostküste, um die Jagd, vornehmlich auf Sattelrobben, zu observieren. Was sie beschreibt und für ihre Umwelt- und Tierschutzorganisation in Videos festgehalten hat, ist schwer in Worte zu fassen.

Offensichtlich wird dabei: Abgesehen vom massenhaften Töten von rund drei Wochen ­alten Jungrobben werden selbst minimalste Tierschutznormen missachtet. In den Weiten des Packeises scheint niemand genau hinzublicken. Die Jäger schiessen von Booten aus auf die Robbenbabys auf den Eisschollen, oft aus über 100 Metern Entfernung. «Die Boote und die Schollen schaukeln auf den Wellen, die Tiere bewegen sich», illustriert die Tierschützerin. «Präzise Schussabgaben sind absolut unmöglich.» Entsprechend das Resultat. Die Robbenbabys sind selten auf Anhieb tot. Wenn sie nicht ins Wasser fallen und ertrinken, müssen sie oft lange warten, bis die Jäger sie einsammeln und erschlagen. Damit ist das Grauen noch nicht vorbei. Vera Weber beschreibt, was auch die Videos zeigen: «Vom Schiff aus rammen die Jäger den noch lebenden Tieren mit langen Stangen Haken durch den Kopf und hieven sie so an Bord.»

Schweizer Importverbot seit 1. April

Dass dies vor Neufundlands Küste gerade jetzt wieder stattfinde, sei «unbegreiflich und unerträglich», meint Vera Weber. Immerhin hat die Aufklärungs- und Kampagnenarbeit ihrer Organisation viel bewirkt. Seit dem 1. April 2017 ist in der Schweiz der Import und Handel mit Robben­produkten verboten. Die Fondation Franz Weber konnte vor sieben Jahren den damaligen Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger für den Schutz der Robben gewinnen. Seine Motion war erfolgreich und wird nun umgesetzt. Am bereits seit 2010 in der EU geltenden Einfuhrverbot für Robbenerzeugnisse hat die kleine Schweizer Organisation ebenfalls Anteil. 2006 begleiteten ein EU-Parlamentarier und Medienleute Vera Weber auf das Packeis von Labrador, um die Jagd auf Robbenbabys zu beobachten. Der Bericht des durch die Grausamkeiten und tätlichen Übergriffe von Robbenjägern auf die Zeugen schockierten Parlamentariers veranlasste das Europaparlament 2009 zum Beschluss eines Embargos gegen Robbenprodukte. Dem ist die Schweiz nun gefolgt.

Derweil hält Kanada noch an der Robbenjagd fest und hat dieses Jahr diese sogar zwei Wochen früher als üblich eröffnet. Seit dem 28. März sind die Jäger wieder unterwegs, um Zehntausende von Robbenbabys zu töten. «Eine Katastrophe für die Bestände der Sattelrobben», zeigt sich Vera Weber empört: «Zurzeit säugen die Robbenmütter noch ihre Jungen.» Es sei höchste Zeit, dass Kanada einen Schlussstrich unter die Robbenjagd ziehe. «Bis es so weit ist, bleiben wir wachsam und engagieren uns fortgesetzt gegen das Abschlachten der Robbenbabys.»

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