ARCHÄOLOGIE: 42000 Jahre alte Perlen gefunden

Schmuckstücke aus Mammutelfenbein aus der Steinzeit lassen Rückschlüsse zu auf das soziale Verhalten unserer Vorfahren.

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«Fund des Jahres»: 4 (Bild: Stefan Puchner/Keystone (Museum Blaubeuren, 28. Juli 2017))

«Fund des Jahres»: 4 (Bild: Stefan Puchner/Keystone (Museum Blaubeuren, 28. Juli 2017))

Abzeichen, Wappen, Fahnen: Menschen kennzeichnen ihre Zugehörigkeit zu Vereinen, Berufen oder Nationen. Schon vor 42000 Jahren haben unsere Vorfahren anscheinend ähnliche Gruppenidentitäten entwickelt – darauf deuten Perlenfunde in schwäbischen Eiszeithöhlen hin.

Archäologen haben aus den Weltkulturerbe-Höhlen der Schwäbischen Alb bis zu 42000 Jahre alte Perlen aus Mammut- elfenbein geborgen. Die 40 Schmuckstücke seien für die Eiszeitforschung so bedeutend, dass sie nun als «Fund des Jahres 2017» im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt werden, sagte der wissenschaftliche Leiter der Grabungen, Professor Nicholas Conard, zur Präsentation der Perlen am Freitag.

«Diese Schmuckstücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art», erklärte Conard laut Mitteilung der Universität Tübingen. Sie seien zudem «der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit». Conard hob zugleich die besondere Machart der doppelt sowie teils dreifach gelochten Perlen hervor; sie sei bisher allein von der Schwäbischen Alb bekannt. Das deute darauf hin, dass Menschen schon vor 42000 Jahren Schmuck zur Kennzeichnung einer Gruppenidentität anfertigten.

Die damaligen Menschen (Homo sapiens) im Ach- und Lonetal hätten neue Formen von Schmuckstücken vermutlich «als Ausdruck einer Konkurrenzsituation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit» hergestellt, erläuterte der US-Forscher, der das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen leitet. «Und wir können sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.» Solche Perlen seien über einen Zeitraum von 6000 Jahren nachweisbar, erklärte Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin des Senckenberg Centre an der Universität Tübingen. «Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.» (sda)