Apfel statt Nationaltier?

Randnotiz

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Die Russen haben den Bären, die Franzosen den Gockel. Und die Schweiz? Kuh, Steinbock, Murmeltier? Oder gar das Büsi? Im Landesmuseum in Zürich darf man derzeit über Nationaltiere rätseln. Bekanntlich haben auch Kantone solche zu Wappentieren erkoren.

Nur: Braucht’s überhaupt ein Tier? Warum nicht den Apfel? Das von Tells Geschoss durchbohrte Obst taugt doch als Nationalsymbol. Aber Vorsicht! Dann wären die Aargauer erbost: Für sie ist das Rüebli identitätsbildender. Und erst die Walliser! Sie hätten lieber die Aprikose im Schweizer Wappen.

Aber das würde die Romands in einen Grabenkampf stürzen. Denn der Greyerzerkäse war jahrhundertelang ihr Exportschlager, bis dieser von der Schokolade abgelöst worden ist. Die Waadtländer wiederum würden gegen dieses süsse Symbol protestieren. Für sie wäre klar: Es muss unsere Saucisson sein.

Dann kehren wir doch lieber zum Schweizer Kreuz zurück. Dessen vier Enden symbolisieren vier Sprachen und Landesteile und strahlen in alle Himmelsrichtungen gleichmässig in die Welt: als Musterschüler der Globalisierung. Oder sind es nur vier Sackgassen? Schluss damit. Man hat wieder mal ein paar Minuten über die Schweiz nachgedacht und festgestellt: Wir sind ein bunter Haufen. Mehr braucht es hierzu wohl nicht. Sonst kommt womöglich noch ein Ostschweizer Regionalpatriot daher und schlägt die Bratwurst als Nationaltier vor.

 

Hansruedi Kugler