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ANSICHTEN VON PEACH WEBER: Es lebe der «Sexy»-smus!

Früher konnten nur Frauen sexy sein. Heute heisst «sexy sein»: Qualität egal, Wahrheit egal, es muss einfach geil daherkommen, schreibt Komiker Peach Weber.
Peach Weber
Peach Weber am Humorfestival 2015 in Arosa. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Peach Weber am Humorfestival 2015 in Arosa. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Damit alles klar ist, ich rede nicht vom Sexismus, der durch Trump wieder salonfähig wurde, endlich darf man den Frauen wieder ungeniert zwischen die Beine greifen. Oh, wie habe ich das jahrelang vermisst! Nein, es geht mir um eine andere Bedeutung, und deshalb müsste es wohl eher «Sexyness» heissen. Aber fangen wir doch origineller­weise mal vorne an.

Bei meinen dilettantischen Beobachtungen der Menschheit ist mir etwas aufgefallen, das ich gerne mit Ihnen teilen möchte. Ich habe den Verdacht, dass die Mehrheit der Menschen immer wieder meint, das Gegenteil von etwas Falschem sei automatisch das Richtige. Ich möchte das an einem aktuellen Beispiel erläutern. Jetzt wird überall geforscht und gejammert, warum im Internet eine neue Kultur der Hass-Kommentare und ein unflätiges Herumgesabbere grassiert. Hallo? Wurde uns etwa das Internet vom Himmel gebracht, wie die Zehn Gebote dem Moses? Ist es etwa über uns hereingebrochen wie eine Naturkatastrophe? Nein, wir haben dieses Ding erfunden und mitgeholfen, es zu gestalten. Besser gesagt, wir haben es einfach fasziniert laufen lassen, besoffen von den schillernden Möglichkeiten, und jetzt jammern wir wie der Zauberlehrling: «Ach, die Geister, die ich rief, die werde ich nicht mehr los.»

Ein Aufschrei: «Die asozialen Medien fördern Hass und Rohheit, verderben unsere Sitten!» Mitnichten, das Internet haben wir genauso gewollt, oder eben durch unsere Ignoranz so werden lassen. Dabei wird oft übersehen, dass die digitale Entwicklung auch daran liegen könnte, dass uns, ganz analog, im richtigen Leben, einfach der Anstand etwas abhanden gekommen ist. Das heisst nicht etwa, dass es heute keine anständigen Leute mehr gibt, aber die unanständigen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie wirken sexy! Und heute muss alles sexy sein.

Früher konnten nur Frauen sexy sein. Theoretisch zwar auch Männer, aber die waren dann sicher schwul. Heute heisst «sexy sein»: Qualität egal, Wahrheit egal, es muss einfach geil daherkommen. So kann auch ein hässlicher Lustgreis wie Trump für sich eine Sexyness reklamieren.

Das Pendel schlägt nach links aus und dann wieder nach rechts. Der Mensch handelt wie ein kleines Kind. Er muss dauernd seine Möglichkeiten ausloten, bis ihm klare Grenzen gesetzt werden. Als Kind von Eltern oder Lehrern, als Erwachsener durch Ereignisse wie Kriege oder Naturkatastrophen. Das sieht man an vielen Beispielen: Die 68er-Freie-Liebe-Bums-Flower-Power-Stimmung wurde jäh beendet durch Aids. Oder die strenge Erziehung zur Zeit meines Grossvaters, sie wurde durch die antiautoritäre Welle pulverisiert. Unser Gesundheitssystem, welches immer mehr aufgebläht wird,bis jeder Hausarzt einen millionenteuren Computertomografen in der Praxis hat, das aber irgendwann kollabieren wird. Und dann werden wir froh sein, wenn wir uns noch ein Treupel-Zäpfli und Essigsöckli leisten können.

Nun denn, der heutige Mensch will klare Ansagen, Klartext. Zwar ist es oft hirnverbrannter Unsinn, aber Klartext. Wie wäre es mit knackigen Vorstössen: Wir bauen eine Mauer um die Schweiz, und die EU soll sie bezahlen. Aufsicht über die Bauarbeiten: Ueli Maurer, der Name bürgt für Handwerksqualität. Und man könnte mit der Drohung Nachdruck verleihen: Sonst kommt General Parmesan mit unserer furchterregenden Rest-Armee angehumpelt! Das wäre eine Ansage.

Also, ihr Politiker, setzt euch zusammen und seid kreativ. Macht zum Beispiel eine Vorlage: Die Schweiz verlangt eigenes Wetter! Wir lassen es uns nicht mehr von irgendeinem dahergelaufenen Klima diktieren. Oder: Alle Moscheen zu Parkhäusern umbauen. Und zwar ohne Frauenparkplätze! Da könnte dann der Polit-Clown Glarner wieder seine geliebte Burka überstülpen und sein Selfie als Plakat zum x-ten Mal recyceln.

Peach Weber

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