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ANSICHTEN: Darf man Killerroboter bauen?

Digitale Technik ist weder gut noch böse. Erst die Nutzung macht sie böse. Aber das Fiese dabei: Es stellen sich viele akute Fragen, von denen wir bis vor kurzem nicht wussten, dass es sie gibt.
Susanne Boos
Militärroboter (Bild: Boston Dynamics)

Militärroboter (Bild: Boston Dynamics)

Pferde haben Kriege entschieden. Dann waren sie plötzlich weg. Das Fliessband von Henry Ford hatte sie verdrängt. Mit seinem Ford-T-Modell revolutionierte er die Welt. Binnen kürzester Zeit waren damit die Pferde vom schnellsten Transportmittel zum Hobby von Wohlhabenden degradiert. Der Mensch glaubt gerne, die Technik zu beherrschen. Derweil es umgekehrt ist. Denn der Mensch hat kein Problem, sich mit Dingen zu umgeben, die er nicht versteht. Im Gegenteil: Er gibt den Leerstellen Namen und glaubt damit, sie zu kennen. Früher wurde die Leerstelle Gott genannt, heute heisst sie Digitalisierung. Beides verspricht Himmel und Hölle.

Die Welt von 0011110001101 fühlt sich an wie ein neuer Kontinent. Wir marschieren hinein mit dem Selbstbewusstsein eines Christoph Kolumbus. Er irrte in fast allem – ausser in seinem Willen, sich die Neue Welt anzueignen. Da stehen ­ wir nun also wie er am Rande der Neuen Welt. Zwischen Euphorie und Panik, Selbstüberschätzung und Ignoranz. Das Aufregende ist: Alle müssen mit, keiner kann draussen bleiben. Selbst wenn sich jemand dem digitalen Kontinent verweigern möchte: Es geht nicht, Abstinenz ist nicht vorgesehen.

Das haben zum Beispiel die Leute in Wardak erfahren. Wardak ist eine afghanische Provinz, in der die Taliban das Sagen haben. Hier wachsen die Kinder ohne Handy und Internetanschluss auf. Die digitale Welt schwebt aber über ihnen. US-Drohnen summen regelmässig am Himmel. Sie jagen ferngesteuert Terroristen. Wenn sie glauben, einen erkannt zu haben, schiessen sie. Manchmal irren sie sich und töten auch einmal eine Familie, die auf den Markt fahren wollte. Das nennt sich dann Kollateralschaden. Aber eigentlich ist es Mord. Denn die Familie, die da umkam, mochte die Taliban selber nicht und befand sich nicht im Krieg mit der USA. Nur so genau kann man das nicht nehmen, wenn der Mensch, der die Drohne steuert, in Las Vegas sitzt.

Das alles ist weit weg und fremd. Näher wäre für uns die Gesichtserkennung. Sie steckt schon in modernen Handys und will die Dinger vor Dieben schützen. Gesichtserkennungsprogramme sollen auch helfen, flüchtige Verbrecher und Terroristen zu fangen. In Berlin testen sie zurzeit im Südbahnhof ein solches Programm, das auf der Rolltreppe die Köpfe aller Leute erfasst. In Schanghai, der grössten Stadt Chinas, ist auch schon ein solches Programm im Einsatz. Dort überwacht die Kamera allerdings einen Fussgängerstreifen. Wenn jemand bei Rot über die Strasse geht, wird die Person aufgezeichnet. Der Computer stellt ihre Identität fest, was dank biometrischer Pässe überhaupt kein Problem ist. Die Polizei büsst die Delinquenten und publiziert ihr Foto an der Bushaltestelle in der Nähe des Fussgängerstreifens. Diese Erziehungsmethode nennt sich «Name and Shame», früher nannte man es einfach Pranger.

Digitale Technik ist weder gut noch böse. Erst die Nutzung macht sie böse. Aber das Fiese dabei: Es stellen sich viele akute Fragen, von denen wir bis vor kurzem nicht wussten, dass es sie gibt. Fragen wie: Darf man einen Sex-Avatar vergewaltigen? Kann ein Herzschrittmacher gehackt werden? Dürfen autonome Waffen gebaut werden?

Vorerst nur eine Antwort auf die letzte Frage: Noch dürfen sie. Gemeint sind Waffen, die töten, ohne dass ein Mensch eingreift. Sie gehören geächtet. Die Kampagne «Stop Killer Robots!» engagiert sich dafür. Ihre Webseite liest sich wie Horror-Science-Fiction. Ein Schwarm Drohnen wird zum Beispiel per Gesichtserkennung auf einen Menschen programmiert und losgeschickt. Sie suchen ihn, und wenn sie ihn finden, erschiessen sie ihn. Technisch ist es schon möglich, solche Drohnen zu bauen.

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