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Am Schluss gewinnt die Schwerkraft

Bergsturz Über Jahrmillionen hat sich der Fels aufgetürmt – dann stürzt er plötzlich ins Tal, so wie über dem 200-Seelen-Dorf Bondo. Die Menschen dort erlebten nicht den ersten Bergsturz, aber dieser war drei Mal so gross wie jener Ende des Jahres 2011. Rund vier Millionen Kubikmeter Stein sind heruntergestürzt, eine Million ist noch in Bewegung. Damit handelt es sich um einen der grössten Bergstürze der letzten Jahrzehnte im Kanton Graubünden.

Generell ist abbrechender Fels im Gebirge ein natürlicher Vorgang. Ein Felssturz ist nichts anderes als die Wiederherstellung eines Kräftegleichgewichts. Die Schwerkraft zieht unauf­hörlich am Stein, noch stärker im steilen Gebirge. So können Kieselsteine herunterfallen oder halt auch halbe Berge. Die Widerstandskraft des Felses gegenüber der Schwerkraft ist unterschiedlich je nach Gesteinsart oder Verwitterung und der Beanspruchung im Laufe der Erdgeschichte. Manches Gestein ist wie zusammengebacken, anderes stark zusammengepresst durch die Auflast der darüberliegenden Masse.

Ist es stark verwittert oder ziehen sich Klüfte und Risse hindurch, ist der Zusammenhalt des Gesteins schwächer. Wasser dringt ein und arbeitet am Fels – bis er bricht. Wenn die hangabtreibenden Kräfte aus Schwerkraft und Hangneigung stärker sind als die zusammenhaltenden Kräfte, kommt es zum Sturz. Von einem Bergsturz spricht man, wenn mehr als eine Million Kubikmeter fallen.

Die steilen Hänge sind eine Voraussetzung dafür; bleibt die Frage nach dem Auslöser. Da kann der Mensch Ursache sein, schlägt er beispielsweise eine Strasse in den Fels. Natürliche Auslöser können Starkniederschläge, ein Gewitter oder vor allem die Verwitterung sein. Dann kann Wasser in die Risse eindringen und der Druck in den Poren steigt –bis zum Abreissen. Im Fels bei Gletschern kann das Schmelzen des Eises ein Auslöser sein. Dem Gestein fehlt das Widerlager, der Fels entspannt sich, Risse und Klüfte weiten sich aus und der Fels bricht wegen des Wasserdrucks ab. Vermutet wird auch, dass wegen des schmelzenden Permafrosts im Gebirge über 2400 Meter über Meer mehr Tauwasser in den Klüften liegt, was die Sprengkraft erhöht. Mit dem System Permos überwacht das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SFL) den Permafrost. Das SFL stellt einen Trend zu höheren Temperaturen und kriechenden Felsen fest. Wegen des Schmelzens des Permafrosts verliere der Boden an Stabilität und es könne vermehrt zu Hangrutschungen und Steinschlag kommen.

Die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hat untersucht, wie viele Opfer Naturereignisse in den vergangenen 70 Jahren gefordert haben. Und zwar Hochwasser, Erdrutsche, Murgänge, Steinschläge, Sturm und Lawinen. Seit 1946 kamen deswegen 1046 Menschen ums Leben, acht Prozent davon wegen Bergstürzen, sieben Prozent wegen Erdrutschen, die meisten aber in Lawinen. Der grösste Bergsturz der Neuzeit liegt weit zurück: im Jahr 1806 starben in Goldau 457 Menschen. Zeitlich näher liegt der Erdrutsch, kein Felssturz, von Gondo im Wallis, wo im Jahr 2000 elf Tote zu beklagen waren. 2016 führten Naturkatastrophen wie Hochwasser, Steinschlag und Felssturz in der Schweiz zu Schäden in der Höhe von rund 100 Millionen Franken, was deutlich unter dem langjährigen Mittel von 310 Millionen Franken liegt.

Bruno Knellwolf

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