Als wäre der Hai plötzlich da

Getestet

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen
Eintauchen in virtuelle Spielwelten mit der Playstation VR. (Bild: Kn.)

Eintauchen in virtuelle Spielwelten mit der Playstation VR. (Bild: Kn.)

Sieht man einen Menschen, der eine Virtual-Reality-Brille trägt und dabei eigenartige Bewegungen macht, denkt man sich: Was zuckt der blöd daher. Doch wenn man sich dann das Playstation-VR-Headset von Sony selbst aufschnallt und im Game «VR World» in einem Käfig in die Tiefen des Meeres hinuntergelassen wird. Ja, dann dauert es nur Sekunden und man glaubt sich wirklich unter Wasser zu befinden.

Der Blick nach unten geht zum dunklen Meeresboden und jener nach oben ins schummrige Licht der Wasseroberfläche. Während der Liftfahrt zu einem verborgenen Schiff wird es immer dunkler, nur die Stirnlampe bringt Licht. Prescht dann plötzlich ein Hai aus dem Nichts, dann lässt das keinen kalt. Erstaunlich wie jede Kopfbewegung registriert wird, wie die Stirnlampe auf alle Seiten genau dort hinleuchtet, wo man hingucken will. Das Virtual Reality System für die Playstation 4 schafft es mit modernster Technologie, das Gefühl zu vermitteln, mitten im Spiel zu stehen. Gepackt wird man nicht nur, weil die Kopfbewegungen verzögerungsfrei umgesetzt werden. Die real wirkende Präsenz ermöglicht der Oled-Bildschirm des Headsets, der einen grosszügigen 360-Grad-Blickwinkel auf die 3D-Umgebungen liefert. Auch bei schnellen Kopfbewegungen entsteht keine Bewegungsunschärfe.

Neun LED am Headset

Interessant ist das Präzisionstracking: Die Kamera auf der Playstation verfolgt neun LED-Leuchten auf dem VR-Headset und kann so orten, was der Spieler mit dem Kopf macht und dessen exakte Position im Raum bestimmen.

Das Verschwimmen von Realität und Fiktion wird zudem mit einem dreidimensionalen Audiosystem verstärkt, welches die Sinne über die Kopfhörer massgeblich beeinflusst. Der 7-Jährigen wird das schnell mal zuviel. Der Hai kommt ihr deutlich zu nahe, sie weint und schaut verzweifelt umher – und sieht doch nur das weite Meer, bis die Erwachsenen sie von der VR-Brille erlösen.

Geschickt haben die VR-Entwickler von Sony verschiedene Elemente der Playstation ins System der Virtual Reality verknüpft. In «The London Heist» ist man mit einem Motion Controller mit Leuchtkugel unterwegs, den man auch für andere PS-Games braucht. In der VR-Welt ist dieser Motion Controller dann eine Pistole, mit der man sich in der Londoner Unterwelt zurechtfinden muss.

Auch im Game «Driveclub VR» muss man nach einer Waffe greifen. Macht man das, scheint man diese wirklich in der Hand zu halten, obwohl man in der Realität in die Luft gegriffen hat. Mit dieser Waffe wehrt man sich bei rasender Fahrt gegen Gangster und Banditen, die einem in Autos oder auf dem Motorrad bös wollen. Bei diesen ultraschnellen Rennspielen kann es dem VR-Spieler allerdings schnell schlecht werden.

Dass Virtual-Reality-Brillen zu Übelkeit führen können, ist nichts Neues. Schon länger bekannt ist die Simulatorkrankheit, unter welcher Piloten in Flugsimulatoren leiden: Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwitzen. Nicht jeder ist gleich empfindlich auf VR-Brillen. Man geht davon aus, dass weniger darunter leidet, wer sich das Spielen in der virtuellen Realität gewöhnt ist. Auf jeden Fall verschwindet die Übelkeit, die vor allem bei Bewegungsspielen auftritt, nach einer Weile wieder von selbst, nachdem man die VR-Brille abgesetzt hat.

Über Virtual Reality wird schon seit den 1980er-Jahren diskutiert und Sony Interactive Entertainment arbeitet seit 1999 an kamerabasierten Spielen, zuerst für die Playstation 2. Mit der rund 500 Franken teuren Playstation VR ist das virtuelle Spielen nun ins Wohnzimmer gekommen.

Bruno Knellwolf