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Alles wird weggefegt

Der Herbst ist die Zeit der Laubbläser. Diese fegen alles vom Rasen und aus dem Garten, was kreucht und fleucht – und schaden der Bodenbildung.
Bruno Knellwolf
Ordnung dank Laubbläsern. Ökologisch sind sie kein Gewinn. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Ordnung dank Laubbläsern. Ökologisch sind sie kein Gewinn. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Jetzt dröhnt es wieder um die Häuser. Mit einem Laubbläser bewaffnet ziehen währschafte Männer um die Ecken und blasen das Laub aus ihrem Garten. Die Palette an solchen Geräten ist gross: Elektro-, Akku- und Benzin-Laubbläser und Sauger warten in den Fachmärkten auf Käufer.

Vielen sei wohl nicht bewusst, was sie mit einem Laubbläser anrichteten, sagt der Biologe Jonas Barandun, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Naturmuseum St. Gallen. Denn die Natur lässt die Blätter nicht ohne Absicht auf den Boden fallen. Diese sind wichtiger Bestandteil des ökologischen Systems.

Lebensraum für viele Kleintiere

«Tote Blätter sind Biomasse, die sich zersetzt. Daraus wird Humus, welcher für die Bodenbildung wichtig ist», sagt Barandun. Aus dem Laub wird also neuer Boden, lässt man es liegen. «Zum zweiten deckt das Laub den Boden ab, so dass dieser weniger gefriert», erklärt der Biologe. Dank der Blätter entsteht in der kalten Jahreszeit eine Isolationsschicht, welche die Bodenaktivitäten schützt.

«Zusätzlich ist das tote Laub Lebensraum von einer grossen Palette an Kleintieren, die am Boden leben und die Blätter zersetzen», sagt Barandun. Diese Zersetzer sammeln sich in dieser Laubschicht. Das sind in erster Linie Würmer, Milben, Springschwänze, Asseln, aber auch Larven und Käfer. In der Blattschicht steckt somit ein ganzes Biotop, eine grosse Vielfalt an Arten, die darauf spezialisiert sind, Laub zu zersetzen – zu zerstückeln, zu verdauen, damit daraus Humus wird.

Die Würmer sind geradezu Laubexperten und die wichtigsten Humushersteller. Sie ziehen die toten Blätter in den Boden, schaffen das Laub richtiggehend in diesen ein. Kommt nun einer mit dem fetten und lärmigen Laubbläser daher, entfernt er die Biomasse, die Tiere, welche diese zersetzten und legt den Boden frei, der damit ungeschützt ist. Das fördert auch die Erosion des Bodens, gerade an Böschungen.

Naturfreundlicher ist der Rechen

Erodiert oder gefriert der Boden und kristallisiert, fehlt es an biologischer Aktivität im Boden und die Pflanzen darin wachsen darauf schlechter.

Am besten wäre es also das Laub einfach im Garten liegenzulassen. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack. Widerstrebt dem Gärtner diese «Unordnung», wäre der Rechen immerhin die bessere, naturfreundlichere Variante. Denn beim Rechen fallen die meisten Kleintiere auf den Boden und auch die oberste Schicht der Erde wird geschont. «Der Laubbläser ist die schlimmste Variante. Dieser entfernt die ganze Schicht», sagt Barandun. Und zwar bis in die hintersten Ecken und Nischen des Gartens. Der Ordnungssinn steht da manchem Hausbesitzer im Wege. Wenn man wenigstens Teile des Rasens oder des Gartens den Blättern überliesse, und mit dem Rechen da und dort einen Haufen bildete, wäre der Natur geholfen. Kleinere und grössere Tiere würde das freuen. Doch gegen die Unvernunft sei schwer anzukommen, die Hemmschwelle Laubbläser einzusetzen, sei gesunken, sagt Jonas Barandun. Verbieten könne man diese nicht, wie auch die Mähroboter, welche der Natur genauso schadeten wie die Laubbläser.

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